Expedition through Denmark

Nationalflagge Dänemarks

Schon lange war es einer meiner unzähligen Wünsche, das geschichtsträchtige Dänemark mal per Drahtesel zu erkunden und diesen Sommer (2005) war es dann auch endlich soweit.
Knapp zwei Wochen lang ging es mit Ivonne im Schlepptau und bei schönstem Wetter mit unseren (zu)vollgepackten Trekkingrädern auf den Inseln Falster, Møn, Seeland und Lolland kreuz und quer umher, wobei wir hier über 900 km zurück legten.




Aber erstmal an die Küste hochkommen, was mit dem Wochenendticket der Bahn geschah, Rostock Seehafen war unsere Endstation. Von dort aus schifften wir dann mit Scandlines rüber nach Gedser, der Südspitze von Falster.
Gedser

Hier angekommen mußten wir auch gleich einen Schlafplatz suchen, da es schon ziemlich spät geworden war. Da wir noch keine genaue Karte besaßen, ging es einfach auf gut Glück los, doch nach kurzer Zeit fand sich ein Naturzeltplatz, einer von über 700 in Dänemark, welche Radlern, Wanderern und Kanufahrern als einfache Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stehen.




Am Sonntag wollten wir eigentlich einen Ruhigen schieben, aber nachmittags um drei wurde es dann doch am Strand von Gedesby zu langweilig und wir radelten einfach schon mal Radwegen folgend gen Norden, da das erste größere Ziel die Insel Møn sein sollte. Nach ca. 50 km schlugen wir unser Zelt an einer Anhöhe am Steilufer auf.

Steilküste auf Falster




Am Hafen von Stubbekøbing brachte uns am nächsten Tag eine Pendelfähre nach Bogø und von dort gings dann weiter über einen Fahrdamm nach Møn. Nach einigen Kilometern mit extremen Gegenwind fanden wir auch das, was unser eins eigentlich suchte, das erste Megalithgrab kündigte sich an!
Schon von weitem war der restaurierte Grabhügel Klekkendehøj sichtbar und durch Hinweistafeln auch gar nicht zu verfehlen. Es ist das einzigste Doppelganggrab von den 119 bekannten Hünengräbern (dän. Jættestue) auf der Insel.
Dänemark hat übrigens die größte Dichte an erhaltenen Großsteingräbern in Europa, obwohl auch hier durch Bodenreformen und Steinschläger vieles für immer zerstört wurde!


Klekkendehøj

die beiden Eingänge

ein Eingang von innen


Ein paar Kilometer nach Klekkendehøj erblickten wir auch schon den nächsten überdimensionalen Tumulus: Kong Asgers Høj, das größte Ganggrab von ganz Dänemark!


Kong Asgers Høj

Eingangsbereich

...und von innen wieder


...und nicht allzuweit von König Asgers Ruhestätte entfernt in südlicher Richtung liegt Sprovedyssen.


Sprovedyssen


der Eingang

Unser Weg führte uns weiter Richtung Koster, wo wir wieder auf den Ostseeradweg trafen, welchen wir bis nach Stege, der "größten" Stadt auf Møn, folgten. Nach einem Imbiss am Hafen wurde es auch langsam Zeit, die nächste Unterkunftsmöglichkeit zu finden. Auserkoren wurde nochmals ein Naturzeltplatz nördlich von Stege, der uns mit einem herrlichen Sonnenuntergang belohnte .
Sonnenuntergang auf Møn



Brücke zur Insel Nyord

Die sturmartigen Windböen in der Nacht brachten eine dicke Wolkendecke mit sich, was uns aber nicht sonderlich störte. Ein Kurztripp zur unter Naturschutz gestellten Insel Nyord war nach dem Frühstück angesagt, hernach ein eisiger Badetripp am Ulvshalener Strand und schon ging es weiter mit einigen Umwegen Richtung Osten zu den Møns Klint.
Der angesteuerte Naturzeltplatz wurde leider nicht gefunden oder existiert einfach nicht. Nach ein paar Hügelgräbersichtungen und einem kurzen Regenschauer suchten wir noch das bekannteste Grab aus der Bauernsteinzeit von Møn auf.

Sømarkedyssen, wie es genannt wird, ist eine weitere eventuell durch Erodierung freigelegte Grabstätte und liegt auf Ostmøn in der Nähe von dem kleinen Örtchen Sømarke. Ein Deckstein ist übersät mit etlichen schalenförmigen Vertiefungen, welche vermutlich aus der Bronzezeit stammen!


Sømarkedyssen


... von Vorne

Campingplatz an der Steilküste von Møn
Es dämmerte schon langsam und der Tipp eines älteren Radfahrer führte uns auf einen kleinen, mitten im Wald an der Nordostküste gelegenen Campingplatz.



Zweiter Anlauf zu den Klippen, doch das Glück weilte nicht lange mit uns! Ein Knall und Ivonnes hinterer Mantel war nach schönster Art und Weise geplatzt!!! Was nun, gab es doch auf der ganzen Insel keine größere Stadt geschweige denn einen Fahrradladen!?? Auf dem naheliegenden Mønsklintzeltplatz erfuhren wir aber, den Göttern sei Dank, daß in dem 17 km entfernten Stege eine Autowerkstatt auch Fahrräder bzw. Ersatzteile verkauft. Da uns der Bus mit den Rädern nicht mitnahm, fuhr ich alleine ohne Packtaschen los, um einen Reifen zu kaufen.

Als ich wieder kam, war der Tag leider nun für eine Weiterfahrt verloren! So checkten wir auf dem Campingplatz ein und hatten daher noch die Chance, die Kreidefelsen in den Abendstunden von oben und unten zu Fuß zu erkunden.


eingefallener Steg an dem Møns Klint



In einem kleinen Prospekt standen noch mehr Informationen zu weiteren Grabanlagen der Gegend, welche wir heute hauptsächlich an der südlichen Küste in Angriff nahmen!
Es dauerte auch nicht lange, da wies uns ein kleines Schild am Wegesrand zu diesem Langgrab!


Langdyssen

die Grabkammer


Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten fanden wir doch noch das 26 m lange und 8 m breite Langgrab Busemarkedyssen!


Busemarkedyssen

Seitensteine

die Grabkammer


... und ein paar Kilometer weiter lag rechts der Straße und wie immer mitten auf dem Acker dieser Dolmen!


Råbydyssen

von der Seite aus gesehen


Bei Unavngiven Jættestue, der kurz nach dem Örtchen Bissinge kam, war der Eingang dann doch zu klein, um hinein zu kriechen!


der Grabhügel

der Eingang

Sparresmindestuen war der letzte Grabhügel, den wir auf dem Eiland erblickten. Ohne das Getreide eines Bauern unnötig zu zertrampeln, beliesen wir es dabei, ihn von der Ferne zu bewundern, da er doch zu weit im Felde lag.
Nach einigen Kilometern verließen wir über eine Brücke die herrliche Insel Møn.



Sparresmindestuen

Von Kalvehave auf Seeland ging die Tour weiter auf dem Ostseeradweg, der uns durch etliche kleine Örtchen und Gehöfte leitete, wo sich noch so manch schönes Panorama zur See hin zeigte. Kurz vor Præstø bogen wir rechts auf eine Halbinsel ab und übernachteten auf einem Bauernhof!




Unser nächstes Ziel war die berühmte Trelleborg auf der Westseite von der größten Ostseeinsel Dänemarks. So hieß es am nächsten Tag erstmal Kilometer schruppen. Wir radelten quer über's Land den Radweg Nr. 54 folgend nach Næstved und von da aus wieder an der Küste die Østersøruten entlang. Mit einigen Stopps und knapp 90 km auf dem Kilometerzähler schlugen wir unser bescheidenes Lager am Strand der kleinen Insel Glænø auf.

Ostseeroute




Zurück auf's "Festland" führte uns der Weg erstmal nach Skælskør und durch die Temperaturen bedingt nochmals zu einem Badestopp, bevor es zu unserem eigentlichen Tagesziel ging!
Auf dem Weg zur Trelleborg stand dann noch dieses Ungetüm am Straßenrand (nähe Boeslunde)! Leider gab's keine Hinweistafel, bzw. war irgendetwas auf der Landkarte vermerkt. Auf jeden Fall ist der mächtige Deckstein sehr gewaltig, ca. 1,50 m dick und ca. 3 bis 4 m lang!


An der Trelleborg angekommen, sahen wir auch schon das Treiben eines Wikingermarktes, welcher alljährlich im Juli stattfindet.
Die imposante Anlage ist aus archäologischer Sicht eine exakt geometrisch angelegte Ringwallburg aus der Wikingerzeit, welche um das Jahr 980 (was eine dendrochronologische Analyse ergab), wahrscheinlich unter der Herrschaft Harald Blåtand's (Harald Blauzahn), entstand. Ein Gräberfeld und ehemals außerhalb stehende Langhäuser umsäumen den Wall. Erich von Däniken erkennt hier, in seinem Buch "Die Steinzeit war ganz anders", natürlich eine Flugbasis der Vorzeit!??
Wir schauten uns selbstverständlich alles an und gönnten uns dann noch eine Flasche Met für den Abend. Die Pforten schlossen dann auch so langsam und wir machten uns wieder auf die Spur!


der Wall mit einem Eingang

Blick ins Innere

Langhausrekonstruktion

Bei Dalby kam nochmals ein beeindruckendes Hügelgrab zum Vorschein. So mächtige Teile lösen einfach nur Respekt aus! Im Nachhinein habe ich auch erfahren, daß Rævehøj (Fuchshügel) das höchste auf ganz Dänemark ist. Im Inneren der Grabkammer sind auch zwei Sonnenradsymbole aus der Bronzezeit an die Seitensteine gemeiselt! Noch mehrmals ragten hier in der Umgebung gewaltige Tumulis am Horizont der Felder auf!

Rævehøj



Am nächsten Morgen starteten wir von der Halbinsel Reersø aus, wo wir bequemer halber ein Zimmer gemietet hatten. In Gørlev stand eigentlich ein Runenstein auf dem Reiseplan. Da dieser aber in der dort ansässigen Kirche stand, war er leider nicht für unsere Augen bestimmt. Am Tissøsee vorbei ging es wieder quer durchs Land Richtung Osten nach Lejre, während dessen drückte die Sonne unentwegt bis in die Abendstunden.
In der Nähe von Gammel Lejre zeigten sich erste stumme Zeugen einer gewaltigen Geschichte aus unterschiedlichsten Epochen.

An etlichen Hügelgräbern vorbei standen wir plötzlich an dem Ort, wo sich einst eine 500 m² große Königshalle (Kongsgården) erhob. Ein paar Grassoden als Umrisse und eine Hinweistafel erinnern noch an die glorreiche Zeit der Wikinger.
Kurz darauf folgte ein Bestattungsplatz der anscheinend über viele Generationen hinweg genutzt wurde!? Neben den bronze- und eisenzeitlichen Hügelgräbern Hyldehøj, Ravnshøj und Grydehøj liegen die noch zum Teil erhaltenen, bis zu 86 m langen Steinschiffsetzungen der Nordmänner.


Mysselhøj


Skibsættningerne

Schiffsetzungen

im Hintergrund Grydehøj



Unweit von unserem Schlafplatz aus, der auf dem Rastplatz unterhalb der Schiffsetzungen war, liegt das Lejre Forschungszentrum, was für heute unser erster Anfahrtspunkt wurde. Hier wird auf einem riesigen Areal experimentelle Archäologie und Lebensweise von der Stein-, über die Bronze- und Eisenzeit, bis hin zu den Wikingern und Bauern des vorletzten Jahrhunderts anschaulich dargeboten.
Der Eintritt war zwar ziemlich teuer, aber man bekommt dafür einiges und wissenswertes geboten, wie z.B. dieses nachempfundene Dorf aus der Zeitenwende, wo mehrere Langhäuser, Grubenhäuser und Vorratskammern usw. nach verschiedenen Funden rekonstruiert wurden.

Unweit des Dorfes, bevor es zum Steinzeitareal geht, liegt noch das Opfermoor!

Nach etlichen Stunden des Umherschweifens und verschiedenen Gesprächen mit Akteuren, die hier den ganzen Sommer über agieren, ging's dann am Nachmittag im Eiltempo Richtung Frederikssund und noch weiter nördlich, wo wir uns die ältesten Eichen Nordeuropas (laut Aussage eines Einheimischen, den wir nach dem Weg fragten!) anschauten. Kurz vor Kulhuse einigten wir uns auf einen naheliegenden Zeltplatz für die Nacht.

Statue mitten in einem Vorgarten




"Was ist das??!!", fragten wir uns am nächsten Morgen, als wir an dem angeblich nachgebauten Wikingerdorf in Frederikssund eintrafen. Sah es hier doch so aus wie das Gelände der Karl May Festspiele: unauthentische kitschige Häuser, die wie Fressbuden auf einem Jahrmarkt aussehen, eine Freilichtbühne, allerhand Bänke und Tische, außerdem lag lauter Gerümpel umher.
"Ist ja kein Wunder...", dachten wir uns, "daß hier kein Eintritt verlangt wird!!??"
Nach dieser kurzen Enttäuschung fanden wir aber doch noch etwas weiter hinten die richtigen Gebäude: ein Langhaus und mehrere kleinere Hütten, die nach archäologischen Befunden rekonstruiert wurden.


das Langhaus


...und der geschnitzte Eingang


eine von den Hütten

Gegen 15.00 Uhr erreichten wir dann das Wikingerschiffsmuseum von Roskilde, wo verschiedene Schiffwracks ausgestellt sind. Nach dessen Besuch fuhren wir noch etliche Stunden südwärts, ehe wir einen geeigneten Schlafplatz an den Stevns Klint erreichten und legten somit auch unsere längste Tagesstrecke des Urlaubs von ca. 112 km zurück!

Naturzeltplatz an den Stevns Klint nähe Sigerslev




Wir fuhren am nächsten Morgen den Ostseeradweg Nr. 9 weiter Richtung Præstø und von da aus der 56 folgend nach Vordingborg. Eine ellenlange Brücke brachte uns über den Storstrømmen wieder auf Falster zurück, welches wir aber nur kurz durchquerten, um unsere letzte Station Lolland zu erreichen. Dort angekommen, gönnten wir uns zum Ende des Urlaubs hin nochmal ein Zimmer mit Frühstück.

...eine von den älteren Windkrafträdern!


Mitten am Wegesrand lag dieses unbekannte Grab.



Etwas bedeckt zeigte sich der Himmel am nächsten Morgen und eine laue Stimmung breitete sich auch so langsam aus, da sich der Urlaub mittlerweile dem Ende neigte!
Die Ravnsborg und Kong Svends Høj waren für heute das primäre Ziel! Ein holsteinischer Fürst residierte einst auf dieser verfallenen und aus dem Spätmittelalter stammenden Anlage, auf der momentan Ziegen und Schafe das Gestrüp kurz halten. Noch schnell den Kocher raus für eine kurze Brotzeit und schon saßen wir wieder auf unseren Drahteseln zur Weiterfahrt.


Ravnsborg

Auf einer Hinweistafel bei der Ravnsborg wurden wir noch auf dieses zugängliche Grab aufmerksam!

Glentehøj


der ziemlich niedrige Eingang


Doch Kong Svends Høj toppte noch mal alles bisher gesehene! Es ist immer wieder erstaunlich, was für erkleckliche Monumente das Volk der sogenannten Schnurbandkeramiker vor so vielen tausend Jahren ohne Hilfe modernster Technik für die Ewigkeit erbauten!?

Unser Kilometerzähler zeigte auch schon wieder 100 km an, als wir auf dem Zeltplatz in Rødby ankamen. Haben wir doch unbewußt allein in den letzten 5 Tagen rund 500 km zurück gelegt!?




Am heutigen und letzten Tag in Dänemark schauten wir uns (ganz relaxt) zum Abschluß noch einen Runenstein auf dem nicht weit entfernten Friedhof von Tågerup an!

"Øystæins Söhne errichteten diesen Stein nach Spærla, ihrem Bruder, Schiffsmann bei Æsbjörn Schnabel."

Nochmals trotz herannahenden Gewitters in die Ostsee gesprungen, ehe uns die Fähre von Rødbyhavn zurück nach Deutschland und in den Alltagstrott brachte!

Der letzte Aufenthalt am Strand bei Rødbyhavn




FAZIT: Es lohnt sich, daß Königreich Dänemark per Rad zu bereisen, da das Land ziemlich flach ist und über ein sehr gut ausgeschildertes Radwegenetz verfügt. Ansonsten sind die kleinen Verbindungsstraßen auch nicht sonderlich befahren. Tausende von Kilometern säumen obendrein die Küstenregionen und laden immer wieder zu einem kurzen Badevergnügen ein.
Landschaftlich bekommt man hier leider nicht allzuviel geboten (außer Møn vielleicht!), da fast alles agrarisch genutzt wird und dadurch mehr Felder und Brachland die Touren begleiten. Dafür wird aber gleich vom Bauern das Frischgeerntete am Wegesrand an kleinen Ständen mit einer Kasse des Vertrauens feilgeboten.
Unterwegs haben wir weit mehr Hügel- bzw. Megalithgräber usw. gesichtet, welche aber aus Platzgründen hier nicht mit vertreten sind. Auch gab's noch andere touristische Attraktionen außer den Relikten der alten Kulturen, welche aber nicht in meinem Interessengebiet liegen.

Tipps:
Wikinger in Dänemark
Informationen über die Insel Møn
Dänemark allgemein