ODOERIR ÜBER IHREN HEIMATMETAL


Pandora hat sich die Zeit genommen und mit Fix von Odroerir ein Interview geführt. Das sehr ausführliche Gespräch gibt reichlich Aufschluß über deren Ansichten und deren Schaffen, wieso Heidnische Themen immer öfter aufgegriffen werden und über kommende Akustikvarianten ihrer Songs. Wer sich den umfangreichen Text gerne durchlesen will, kann das mittels untenstehendem Link tun.


Pandora:
Wie kam es zur Gründung von Odoerir? Was war die Idee dahinter?

Fix:

Ursprünglich wollte ich mit einem alten guten Bekannten namens Fenrir ein relativ ruhiges Musikprojekt verwirklichen, wobei er die Texte und ich die Kompositionen beisteuern sollte. Nach dem kurzzeitigen Split mit MENHIR (zu den ersten gescheiterten THURINGIA – Aufnahmen) konnte ich mich nun um die Aufgabe intensiver kümmern und das Kind bekam langsam einen Namen.

Es sollte natürlich auch wieder das verarbeitet werden, was uns mental am meisten beschäftigte, nämlich die germanische und keltische Mythologie, aber diesmal mit einem komplett anderen akustischen Klangmantel, um explizit nur meine konkreten Vorstellungen über jene Thematik zu verwirklichen. Unsere Zusammenarbeit fruchtete leider nicht so sehr lange auf konstruktivem / erntefähigem Boden und somit trennten sich unsere (zumindest bandinternen) Wege und seit dem bin ich neben allem Musikalischen auch, daraus folgend, für das ganze Lyrische verantwortlich!

Da ich alleine meine Ziele so nicht durchsetzen konnte bzw. auch nicht unbedingt wollte, ist Odroerir nach und nach zu einer richtigen, live – fähigen und nun auch mittlerweile sechsmannstarken Band gewachsen!

Pandora:
Wie hat sich Odroerir seit der Gründung weiterentwickelt?


Fix: 
Ich hoffe mal positiv!?  Keine Ahnung, auf jeden Fall sind die Kompositionen zum Teil komplexer geworden, des Weiteren sind viele mehrstimmige Instrumentierungen integriert und ein bissel besser spielen können wir mittlerweile auch allesamt?! Das glaube ich zu mindesten! Wie weit das nun für die Hörer relevant ist oder sie noch Gefallen daran finden, liegt nicht in unserem Ermessen bzw. auch nicht in unseren primären Erwartungen!

Pandora:
Wie würdest du die Musik von Odroerir beschreiben?


Fix:
Musik aus Midgard – sowie auch unser Slogan heißt! Darunter verbirgt sich eine homogene Kompilation verschiedenster Stilelemente bzw. diverser musikalischer Richtungen, wobei aber die E- und Akustikgitarren als die dominanten Faktoren in jenen Arrangements fungieren.
Des Weiteren verwende ich ein breitgefächertes Gesangssammelsurium und entsprechende andere passende Instrumente, um diese subtile Art von einer kontemplativen / epischen Klangwelt zu erschaffen.

Oder, auch ganz lapidar, wie unser Produzent immer so schön passend dazu meinte:
Odroerir ist „Heimat Metal“!

Pandora:
Ihr habt erst vor kurzen euer neues Album „Götterlieder“ veröffentlicht, eine Vertonung der Edda. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, dieses Werk in ein musikalisches Gewand zu hüllen?


Fix:
Jene Vorstellung hege ich eigentlich schon ziemlich lange (wie aber so viele andere Themenbereiche aus Alteuropa auch noch!) und welche von mir (uns) schon damals bei dem „Iring“ - Demo mit einem Track aus diesem Kontext, nämlich „Baldurs Träume“ in Angriff genommen wurde.
Vorläufig haben wir den ersten Teil davon abgeschlossen und es wird hoffentlich noch die ganze Bandbreite jener Thematik in nicht allzu ferner Zukunft folgen.

Da mir bis jetzt noch keine komplette, adäquate und beachtenswerte hehre Eddavertonung zu Ohren gekommen ist (es kann auch sein, daß ich davon vielleicht nur noch nichts mitbekommen habe), welche vielleicht auch mal die ganze Materie und Mystik mit den dementsprechenden Bildern und Aussagen zum Hörer imaginiert / transportiert, stellte ich mir einst das Ziel / die Aufgabe / den Traum, dies auf odroerirische Art und Weise zu vollbringen!

Pandora:
Welche Bedeutung hat die Edda für dich persönlich?

Fix:

Die Edda ist (für mich) ein wissenswertes Kompendium über die nordische Mythologie und die Glaubensvorstellungen der Altvorderen und müßte eigentlich als Pflichtlektüre in jedem Bücherschrank eines so genannten germanisch interessierten Heiden stehen!
Sie ist ein wichtiger Bestandteil zur Rekonstruktion der Kultur- und Religionsgeschichte von den Nordvölkern, denn nirgends sonst wird so ausführlich auf das Leben, den Glauben, die Götter, die Skaldenkunst usw. eingegangen wie hier!

Natürlich läßt sie sich für einen „Kirchenreim-gewöhnten Mitteleuropäer“ das erste mal, wegen der Stabreimdichtung und den Kenningar's, relativ schwer lesen, welches aber auch meines Erachtens den Reiz an jenem Werke ausmacht und uns so auch mal die ursprüngliche Versform der Germanen veranschaulicht!

Pandora:
Gestaltete(e) sich das gesamte Songwriting durch dieses bereits vorgegebene Konzept anders als sonst?

Fix:
Eigentlich nicht, außer das bei bestimmten Themen aus der Edda schon der komplette Textinhalt vorgegeben ist und um dies in einem Lied unterzubringen, ohne sinnendfremde Kürzungen vorzunehmen, werden die Titel automatisch länger - siehe „Skirnirs Fahrt“! Ansonsten hat sich an der Arbeitsweise nichts geändert und ich gehe so vor, wie eh und je!

Pandora:
Wie entsteht eigentlich ein Song bei Odroerir?

Fix:

Das ist ganz schön unterschiedlich! Einmal ziemlich schnell, wie z.B.  bei „Zwergenschmiede“ oder es zieht sich ewig hin, bis ein Lied komplett fertig komponiert ist bzw. endgültig seinen letzten Schliff bekommen hat, wie dies unter anderem bei „Wanenkrieg“ der Fall war.

Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie werden komplett von mir geschrieben bzw. entstehen bei mir daheim und in Ruhe, wobei ich auch gleich, wie bei einem richtigen Orchesterarrangement, für alle anderen Instrumente und meine Mitstreiter die Passagen, Noten und Gesangslinien austüftele.
Natürlich nicht bei den klassischen Soloteilen, wie sie die Geige oder die Leadgitarre ab und zu mal bekommen, da kann / soll jeder mal selbst schöpferisch Hand anlegen, um auch noch mehr Abwechslung in die Musik von Odroerir reinzubringen!

Pandora:
Die Lieder auf eurem neusten Album sind meist vor allem was den Gesang anbelangt ziemlich komplex. In wiefern läßt sich das überhaupt live umsetzen?

Fix:
Überhaupt nicht!
Nein, ein paar Sachen singen wir auch live mehrstimmig! Da aber leider der Anzahl bedingt nur drei Leute auf der Bühne gleichzeitig trällern können, wird es natürlich auch nicht so monumental klingen wie auf Platte, wo man bis zuweilen 18 Gesänge auf einmal zu hören bekommt!
Dies wäre on stage nur mit einem geschulten Chor zu bewerkstelligen, welchen wir uns aber natürlich finanziell niemals leisten können!

Pandora:
Was bedeutet es für euch überhaupt live zu spielen?

Fix:

Manchmal ist dies eine wirklich schöne Erfahrung und Abwechslung im Musikerdasein und bleibt besonders positiv in Erinnerung, wenn die Resonanz des Publikums dementsprechend berauschend war, die Location paßte, die Veranstalter korrekt handelten bzw. das die Organisation super lief und nun das Wesendlichste, daß das Set auf der Bühne auch mal einigermaßen klappte?!

Natürlich sind diese Parameter auch leider öfter mal ins Negative ausgetauscht und sorgen so für einige Frustrationen und andere Unstimmigkeiten, woraus wir aber auch regelmäßig unsere Konsequenzen ziehen (Fehler ausmerzen, bestimmte Veranstalter meiden etc. etc.)!
Trotz alledem werden wir weiterhin versuchen (auch wenn wir relativ spärlich zu sehen sind), die „Bretter die die Welt bedeuten“, sooft wie es uns möglich ist, zu entern!

Pandora:
Gibt es bestimmte Ziele, die ihr mit Odroerir noch erreichen möchtet?

Fix:

Primär liegt an: sobald wie möglich die Götterlieder abschließen und vielleicht später noch reine Akustikvarianten von unseren ganzen Liedern plus Coverversionen auf Platte bannen!

Sekundär: dementsprechende Videos produzieren, verstärkt Liveaktivitäten bzw. Touren wahrnehmen und uns an andere Vorhaben wagen, welche schon länger in der Schwebe weilen! Und ein Traum von mir ist es, mal eine Art Filmsoundtrack über jene ganze Thematik zu komponieren, welches mit einem richtigen Orchester umgesetzt werden müßte und den dazugehörigen Film wöllte ich auch gleich am liebsten selber (mit-) verwirklichen!

Ach ja, ein richtig professionelles Homemadestudio mit allen Möglichkeiten möchte ich auch mal irgendwann mein Eigen nennen können, in dem ich meine musikalischen Ambitionen und alles was dazu gehört so richtig ausleben könnte!

Pandora:
Eure Werke haben bis jetzt ja nicht immer bloß positive Kritik geerntet. Wie geht ihr mit so was um? Ist euch die Meinung anderer überhaupt wichtig?

Fix:
Wir haben zwar etliche positive Rezensionen zu all unseren Aufnahmen bekommen, aber es sind auch genug gegenteilige Meinungen darüber geschrieben worden! Solange sie objektiv geschehen und auf diverse Mängel hinweisen, können wir auch damit relativ gut umgehen.
Aber bei manchen Schreiberlingen fragst du dich schon, was für eine Animosität sie gegenüber der Gattung Pagan Metal hegen und warum sie sich endlos über eine Thematik brüskieren, worüber sie offensichtlich überhaupt keine Ahnung haben!

Auch gerade bei deutschsprachigen Bands (im krassen Gegensatz dazu die Skandinavischen!) wird jene Gattung bei allzu pseudopolitisch Korrekten nicht so gerne gesehen (auch bedingt das hier ein paar ganz schwarze Schafe und eindeutig infantil anmutende bzw. einfach nur schlechte / primitive Bands agieren!), da man ja sonst eine „negative Entwicklung“ damit unterstützt (unter anderem schon geschehen mit Empfehlungen an Fanzines und Veranstalter, „fragwürdige“ Bands außen vorzulassen und nicht zu promoten)!

Es ist nun mal so, daß die Geschmäcker grundverschieden sind und wir etlichen Hörern nicht unbedingt gefallen, aber ehrlich gesagt würden bei mir auch zahlreiche Alben aus der Metalbranche als übelster Veriß weggehen, die woanders nur so gelobt wurden oder als Verkaufsschlager gelten!
Über Geschmack läßt es sich halt immer streiten und das ist auch völlig in Ordnung!

Pandora:
Was inspiriert euch für eure Musik, für eure Texte?

Fix:

Eigentlich ziemlich viel. Da aber die Texte nun mal bei mir durch irgendwelche Fakten, wie Geschichtsschreibung, durch archäologische Ausgrabungen und deren Erkenntnisse, Sagen, Mythensammlungen etc., schon inhaltlich so ziemlich vorgegeben sind, wird man auch hier keine großartig ersponnene Metaphern, sonstige philosophisch vermischte (neuzeitliche) Weltanschauungen oder gar unhaltbare fingierte Fantasyromantikmärchen über jene Thematik bei ODROERIR finden!

Gerade bei unserem Debüt, welches grob die Geschichte Thüringens erzählt, war es diesbezüglich verhältnismäßig kompliziert, da leider nur wenig und nur bruchstückhaft unserer vorchristlichen Ära dokumentiert ist.  
So sind einige Texte bei „Laßt euch sagen aus alten Tagen…!“ mit vergleichender Mythologie, anderen Geschichtserkenntnissen, Überlieferungen etc. zum Teil als vorgeschlagenes Konstrukt zu sehen. Aber so wie es auch ungefähr hätte sein können und ist - daraus bedingt – kein, wie schon sooft vernommenes, anachronistisches Mischmaschgeschwulst von sporadischem Halbwissen!

Ergo beeinflussen mich, zumindest auf der lyrischen und dichterischen Seite, zum größten Teil die Bücher und Geschichten, welche ich stets verschlinge und ab und an als Synthese meines Wissenstandes wiedergebe!

Auch diverse Naturaktivitäten bzw. der Besuch / Exploration von Anlagen, Bauten und sonstigen Monumenten aus der Vorzeit, die allgemein mit der Geschichte von Alteuropa zu tun haben, geben mir immer genügend Anreiz und Ansporn, (von den imaginären Bildern die sich in meinem Innersten dabei suggerieren) darüber Texte und Lieder zu schreiben.

Musikalisch bemühe ich mich zumindest stets nur das einzubauen, welches die Materie auch akustisch dem Hörer veranschaulicht bzw. die dementsprechenden Bilder evoziert.
Beeinflußt werd ich hierbei natürlich auch von unterschiedlichsten schon vorhandenen Musikstilen, wobei ich aber schon versuche, altertümlich anmutende bzw. auch folkloristische Melodiebögen mit einzubauen.
Da Komponieren für mich eine Art Katharsis darstellt (wie bei fast allen Künstlern!!!), wird auch immer ein Stück Seele von mir in den Liedern verdeutlicht sein und so wie die gerade Mal wieder drauf ist, klingt auch dementsprechend das Stück!

Pandora:
Was bedeutet der heidnische Glaube für euch persönlich? Wie beeinflußt er euer Leben?

Fix:

Fakt ist auf jeden Fall erstmal, daß wir unwiderruflich in der heutigen Zeit leben, quasi auch in dieser Zivilisation und der momentan herrschenden Gesellschaftsform, mit den dazugehörigen ganzen Vor- und natürlich auch den unangenehmen Nachteilen.
Auch wir bedienen uns moderner Technik oder anderweitigen kulturellen Errungenschaften zur Erleichterung der Lebensqualität und rennen nicht als Neandertaler mit Fellen und Knochen behangen in irgendwelchen eichenbestückten undurchdringlichen Urwäldern ums Feuer und praktizieren Ahnenkult anhand von Anthropophagie bzw. sind wir auch keine rigide / oktroyierende Heidenmissionare und propagieren dementsprechend auch keinen dogmatischen Atavismus für Germania Libera (Magna)!

Wir wären aber eine wirklich schlechte bzw. unglaubwürdige Pagan Metal Band, wenn wir uns nicht damit identifizierten oder es zum Teil selber leben bzw. praktizieren würden!
Unser eins feiert z.B. die ursprünglichen Jahreskreisfeste (ohne Esoterikschnickschnackzeremonien) und auch dann, wann sie fallen und nicht bequemer halber aufs Wochenende oder in beheizbare Vereinshäuser verlegt, sondern wir laben, zelebrieren und trinken in der freien Natur, egal welche Jahreszeit und Wetterlage da gerade herrscht! (wie z.B. gestern zu Imbolc, jenem Fest, welchem wir in kleiner gemütlicher Runde auf dem verschneiten Dolmar frönten!)

Ein Teil von uns widmet sich auch schon seit Jahren der Re-enactmentszene, das heißt erlebbare Geschichte aus diversen Epochen so authentisch wie möglich darzustellen.
Hierbei versuchen wir auch das vorhandene Wagnerbühnenbildoutfit über die Germanen, was ja doch öfters noch und klischeehaft in den Köpfen der Öffentlichkeit zu finden ist, über Bord zu werfen und bieten somit eine objektive, archäologisch fundierte Sicht über jene Ära den Zuschauern bzw. den Interessenten. Etliche Anschaffungen diesbezüglich waren auch schon bei verschiedenen Reportagen, Museumsauftritten und Mittelaltermärkten zu sehen bzw. dekorieren stets unser Bühnenbild!

Des Weiteren wollen wir mit unserer Musik und den Intentionen die dahinter stecken einfach nur die ganzen Unwissenden da draußen mal aufmerksam machen, daß auch wir über eine ehrbare Geschichte / Provenienz verfügen und sie nicht leugnen müssen, daß auch wir eine eigene Mythologie, eine indigene Religion und autochthone Götter besaßen und dies Alles bevor das Christentum hier unglücklicherweise einzog und jenes vereinnahmte, zerstörte bzw. ehe die Kirche heidnische Kultplätze und Feierlichkeiten assimilierte und von da an für sich beanspruchte!
Ohne die wahren Hintergründe zu kennen bzw. das dies auch gar keiner wissen möchte, feiert doch heutzutage noch jeder Dämlack (weltweit mittlerweile) unsere adaptierten und umgedeuteten Feste!

Heidnisch sein bedeutet für mich ebenfalls Pantheismus bzw. Naturreligion, deswegen steht für mich (uns) auch der Schutz und die Erhaltung unserer Mutter Erde und das Leben mit der Natur und nicht gegen sie an erster Stelle, wobei hier uns leider an vielen Stellen die Hände einfach nur gebunden sind, aber wo doch jeder einzelne versucht, seinen eigenen kleinen Beitrag dazu beizusteuern!

Auch wenn wir das Rad der Zeit nicht mehr rückwärts drehen können, bedeutet dies doch nicht, daß wir uns der derzeitigen egalitären Herrschaftsform, den christlich geprägten und willkürlichen staatlichen Regelements rigoros unterordnen müssen.
Jeder von uns kann auch ohne mit der Dekadenz, die uns unweigerlich umgibt, mit konventionellen Tugenden und Einstellungen sein eigenes individuelles Leben sinnvoll, kreativ und erfüllend gestalten. Dabei müssen noch nicht einmal Tabus gebrochen bzw. ein innewohnender Ethos überschritten werden. Es existieren da ja nun wirklich genug Gesellschaftskrüppel, die sich dem Materialismus, dem jeweils herrschenden System, den Medien, dem vorgegaukelten Trends, manchmal auch ganz schön sinnlosen Gesetzgebungen usw. usf. einfach nur hörig unterwerfen.

So ist auch das Heidnische in unserer Zeit ein weiterer Ausbruch und der vielleicht etwas bessere und ursprünglichere Versuch und Weg, sich von den momentanen Machenschaften und indoktrinierten Weltanschauungen zu lösen!

Dies alles ist nun / nur meine lebensphilosophische Quintessenz und was ich darunter als modernen „Heide“ verstehe!

Pandora:
Wie erklärst du dir, daß heidnische Inhalte immer mehr Einzug in die Metal, besonders in die Black Metal Szene, finden?

Fix:
Als erstes ist es nun mal mittlerweile ziemlich populär geworden, über archaische heidnische Motive zu singen bzw. ist es dementsprechend verhältnismäßig einfach, sich mit ein paar Schlagwörtern und dummphrasierenden Gefasel über althergebrachte Klischees aus jener Thematik und drei / vier Schrammelpunkakkorden und Lala – Melodien bzw. sich mit einem offensichtlich billigen Plagiat in diesen Trend zu integrieren, um auch ja ein Stück Torte davon abzukriegen.
Hierdurch liegt auch meines Erachtens zum Teil das Pagane und allgemeines Geschichtsinteresse an den Germanen in der Öffentlichkeit in einem indignierten Diskredit.

Zweitens haben, den Göttern sei Dank, etliche „Satanisten“ mitbekommen, die infantil gegen das Christentum wetterten, daß sie mit Luzifer und Co es ja nicht leugnen, sondern insgeheim akzeptieren, was da in der Bibel steht, welche irgendwo weit ab mal von einem fremden Volk inszeniert wurde!

Und die dritte Kategorie ist die, wo noch wirklich alternative Individuen fungieren und welche fast von alleine oder durch verschiedene Umwege darauf gekommen sind, daß bei ihnen auch etwas eigenes Ursprüngliches existierte, da sie sich einst insgeheim für Natur, ihre Heimat und dessen Sagen, mit Geschichte, mit indigenen Stämmen und deren Glaubensinhalte etc. etc. primär auseinandersetzten und was sie nun auch durch Musik zum Ausdruck bringen wollen!

Pandora:
Was für Musik hörst du privat?

Fix:
Eigentlich alles mögliche, es muß mich einfach nur überzeugen, Innovation besitzen und am besten eigenständig sein, ergo gleich drei Sachen, die nun mal nicht gar so viele Bands ihr eigen nennen können.
Mit billigen Plagiaten, trendorientierten Musikstilen und Anpassungsbands kann ich absolut nichts anfangen!

Momentan läuft bei mir die neue NEVERMORE hoch und runter und im letzten Jahr habe ich meine Vorliebe für den zum Teil ganz schön kranken und aber genialen Sound von MEMENTO MORI gefunden (dank meines Schlagzeugers Philipp).
Von unserem Produzenten bekam ich auch, während des Studioaufenthaltes zu „Götterlieder“, sämtliche Soloalben von Jason Becker und Marty Friedman, welche für Liebhaber ellenlanger Gitarrensolis eigentlich unabdingbar sind.

Pandora:
Welchen Stellenwert nimmt Musik in deinem Leben ein?

Fix:

Mittlerweile das Musizieren mehr als das Hören. Ich kaufe oder besorge mir auch ganz sehr selten (neue) CDs und verfolge auch nicht bewußt irgendeinen Markt bzw. eine Szene.

Pandora:
Was fällt dir spontan zu folgenden Begriffen ein?

-Die Schweiz:

Ein schönes Land, soweit ich sagen kann, denn ich war leider bis jetzt nur einmal wegen eines Menhir-Konzertes dort und den Rest kenn ich nur von Bildern bzw. Reportagen. Aber irgendwann werde ich bestimmt auch in euren Bergen mal meinen Urlaub verbringen!

-Heimat:

In meinem (unserem) Fall ist dies Südthüringen, quasi unterhalb des Rennsteigs, der auch scherzhaft Bratwurstäquator genannt wird!

-Kinder:

Habe ich keine!?!? (Übrigens, ist mir gerade bewußt geworden, keiner in der Band hat welche!?!?!?!) Ich war aber etliche Jahre als Jugendpfleger in einem Jugendklub beschäftigt und maloche momentan in einer Kindertagesstätte und bin quasi „geheilt“!?

-TV:

Ich besitze auch keinen Fernseher, gehe aber dafür manchmal ins Kino oder schaue mir ab und zu mal zum relaxen `ne DVD an!

-Winter:
Ja, momentan ist welcher, aber mein rechtes Knie macht derzeitig immer noch nicht so richtig mit, wie ich es will, ergo kann ich auch dieses Jahr nicht Ski fahren, und gerade dieser Winter bereitet einem soviel Schneevergnügen!

-Fans:
Hmm, sollen wir ja auch welche haben?!?!
Wir würden uns aber ehrlich gesagt wünschen, daß da mehr Individuen vorhanden wären, welche auch wirklich begreifen, was Pagan oder heidnisch sein bedeutet oder die auch unsere Musik und die Intentionen, die dahinter stecken, besser verstehen!
Auch könnten sich so einige aus der Paganszene mal ein bißchen intensiver mit Geschichte auseinandersetzen, um ein adäquates Paroli des zum Teil plakativen und stupiden „Neuheidentums“, wie es momentan vorliegt, zu bieten!?
Durch diverse Kontakte sind allerdings auch etliche profund Wissende bzw. Gleichgesinnte da draußen ausfindig gemacht worden!

-Interviews:
Zeitaufwendig und manchmal ganz schön nervend, wenn sie belanglos sind oder keine tiefgründigen Fragen gestellt werden!?


Pandora:
Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir:

Was wirst du finden befragst du die Runen,
Die hochheiligen, Welche Götter schufen,
Hohepriester schrieben?
Daß nichts besser sei als Schweigen.