Fassungslos stand ich dereinst in Trusetal,
einem kleinen Ort in den Thüringer Bergen, vor einer noch viel
kleineren Bühne und lauschte den machtvollen Klängen einer
damals sehr jungen Kombo namens ODROERIR. Die Spielfreude und Anmut
begeisterten mich damals nicht weniger als heute, obwohl oder gerade
weil ich ODROERIR seinerzeit aus Unwissenheit noch als ein Nebenprojekt
von MENHIR abtat. 2 Jahre später kann die Band mit einem Album
aufwarten, logisch, daß ich Mastermind Fix (na der lädt ja mal
ganz mies zum Veralbern ein, der Name... - Red.) ein paar Antworten aus
dem Kreuz leiern mußte, was sich durch Verzögerungen auf
meiner und seiner Seite als schwieriger erwies als angenommen.
Rechtzeitig zur Veröffentlichung des Albums ist es dennoch
geschafft. Viel Spaß beim Lesen der teils sehr ausführlichen
Antworten. Die Homepage der Band übrigens bietet sowohl
sämtliche Texte, als auch die Möglichkeit in einzelne Lieder
reinzuhören.
Hey Fix, wie geht’s so. Habe ich es doch noch
geschafft, das Interview fertig zu stellen. Was sagst du dazu? Ich
hoffe, du hast das langsam ausklingende Jahr gut überstanden und
es geht dir gut im Moment?:
"Na ja, es geht so, es könnte besser
sein! Anscheinend, aber wie du ja nun mitbekommen hast, hat es bei mir
auch nicht viel kürzer gedauert, die Fragen zu beantworten und das
Jahr 2001 ist mittlerweile schon ein ganzes Stück vorüber."
Was hat dich seinerzeit bewogen, dir neben MENHIR eine weitere Band aufzubürden?:
"Ganz einfach, ich hatte damals zur Zeit keine
Band, da es ja mit MENHIR auseinander ging, und außerdem wollte
ich eh schon längere Zeit mit Fenrir ein Nebenprojekt starten. Da
bot es sich an, weil ich nicht ohne Musik dahin vegetieren wollte, es
nun endlich durchzuziehen.
Da habe ich mein Schlagzeug verhökert
und konzentrierte mich, ab da, nur noch aufs Klampfe spielen und
komponieren. Ich suchte mir dann noch ein paar Mitstreiter (mit
mehreren Wechseln) fürs Studio und hauptsächlich für die
Bühne. Seit über zwei Jahren bin ich auch wieder bei MENHIR
dabei, aber jetzt halt an der Gitarre."
Auffallend ist, daß du ein großes
Wissen um die Geschichten und Sagen hast, welche sich in und um
Thüringen abgespielt haben. Woher kommt dieses Wissen, welches
über das des Normalbürgers sicher weit hinausgeht? Wie kam es
zu diesen Interessen?:
"Wie sooft schon gesagt: Wenn man nicht
weiß, wo man her kommt, kann man auch nicht so richtig wissen, wo
man hin will, bzw. soll!
Das allgemeine Interesse dafür kam halt
einfach über die Jahre hinweg, aus verschiedensten Aspekten
heraus, die sich miteinander in ein Ganzes zusammenfügten. Ich
gehe ja schon seit meiner Kindheit gerne in die Natur und da sieht man
halt wenn man durch seine Heimat streift noch genügend Zeitzeugen
aus verschiedensten alten Epochen, von Burgen angefangen über
keltische Ringwälle, Hügelgräber, Opfersteine, Felsen,
Flurnamen und Wüstungen.
Worüber es fast jedes mal eine Sage
oder geschichtliche Erkenntnis bzw. eine Vermutung existiert.
Wenn man
das alles hinterfragt und sich erkundigt was das bedeutet, kommt ein
Baustein zum anderen. Eigentlich ist es ja dann doch nur angelesenes
Wissen, welches aber imaginiert, suggeriert und dadurch
vervollständigt wird, indem man selber jene Orte besucht und ein
wenig verweilt.
Wer sich für die germanische Kultur bzw. allgemein
für seine Vorfahren und dessen Geschichte interessiert, fängt
man doch am besten vor seiner eigenen Haustür an und nicht mit
irgendwelchen anderen fremden Zeug, was seinem Archetypen ganz und gar
nicht entspricht!"
In der heutigen Zeit, in der vieles
gleichgeschaltet scheint, ist es schwer so etwas wie Individualismus
beziehungsweise eine eigene Persönlichkeit darzustellen. Siehst du
das ähnlich?:
"Der Mensch ist halt, wie ich immer so
schön sage, wie ein Computer. Wie der Humanoid von seiner Umwelt,
seinem Geiste (Gene) usw. programmiert bzw. beeinflußt wird, so auch
der Computer mit seiner Soft- und Hardware (da kommt es drauf an,
für was er genutzt werden soll).
Somit ist jeder ein Individuum,
der auf irgendeinem Gebiet was drauf hat oder ein paar Talente
feilbietet. Aber den Mob der Menschheit, kann man mit einem alten C 64
vergleichen der halt nur für einfache veraltete Programme zu
gebrauchen ist.
Deswegen gab es ja in den früheren Zeiten in
vielen Kulturen die Stände, um auch jeden begreiflich zu machen,
wo er hingehörte, welches heute nicht mehr der Fall ist, da ja
jeder Mensch gleich ist und tun und machen kann was er will. Und die
ganze Dekadenz und das Elend sieht man ja nun auch auf der großen
weiten Welt."
Glaubst du, daß ihr (du und deine Band) jungen
Menschen etwas vermitteln könnt, wozu die Gesellschaft heutzutage
nicht imstande ist? Können Werte von einst heute noch Geltung
haben? Gibt es Möglichkeiten, diese Werte in diese Gesellschaft
homogen einzuflechten, um nicht als Außenseiter oder Spinner
dazustehen?:
"Eigentlich will ich ja mehr diejenigen
ansprechen, die sich auch schon mit der ganzen Thematik ein
bißchen beschäftigen. Kids und Jugendliche haben eh alle
paar Monate andere Plätz im Schädel.
Wenn aber jemanden nur
die Musik gefällt, ist das auch in Ordnung und wenn sie dazu noch
auf den richtigen Weg gebracht werden können und nicht nach rechts
abdriften, ist es um so besser.
Auf jeden Fall wären in dieser
verlogenen, vom römisch/griechischen übernommenen
Staatswesen, materiellen und von monotheistischen Religionen negativ
beeinflußten und geprägten Urbangesellschaft, ein paar alte
Tugenden angebracht!
Aber die Verkommenheit des größten Teil
der Menschheit, steckt so tief, das ich keine Chance mehr sehe! Unser
eins macht sein eigenes Ding, egal was die anderen darüber denken,
für mich sind's doch wiederum auch nur rational denkende, von der
Medienwelt beeinflußte arme Tropse.
Und im Endeffekt muß jeder selber
wissen was er vollbringt oder nicht."
Ich kann mir vorstellen, daß einigen
Leuten der Name ODROERIR nicht so zügig von der Zunge geht, vor
allen Dingen nicht nach ein paar Pils. Da gibt es doch sicher
einprägsamere Namen, oder? Was bedeutet er eigentlich? Welche
Namen standen denn noch zur Diskussion?:
"Es sollte am Anfang schon ein Name aus der
keltischen/germanischen Mythologie sein, aber einen so richtig
passenden hatte ich noch nicht gefunden, bis mir eines Tages einfiel,
was ich mir mal für Runen auf mein riesiges Methorn ritzte und
dies war nun mal mehr als eindeutig.
"ODROERIR" ist ein Begriff aus der
nordischen Mythologie. Es ist der Dichtermet aus der Edda, der von zwei
Zwergen aus des weisen Kwasirs Blut gewonnen ward, den sie wegen
seines großen Wissens umbrachten. Sie füllten das Blut,
welches sie mit Honig bereicherten, in zwei Gefäße und einen
Kessel auf, der auch Odroerir hieß. Aber im allgemeinen blieb der
Begriff für den Skaldenmet. Jeder, der von ihm trinkt, wird
erleuchtet. Auf gut deutsch übersetzt bedeutet er - der Geist
berauschende-. Odin hatte ihn später unter den Namen Bölwerkr
von dem Riesen Suttung geraubt und flog als Adlergestalt davon. Die
Asen fingen den Met, als er von jenem Riesen verfolgt wurde, in
Gefäßen auf und all das, was daneben fiel, ist das ganze
Geschwätz, welches den Möchtegerndichtern zur Verfügung
steht.
Honigwein ist auch mit Abstand mein Lieblingsgetränk in der
Alkoholsparte (und da spreche ich auch glaub ich für den Rest der
Combo) und somit mußte es einfach der Name werden für meine Band."
Kommen wir mal auf eure Musik zu
sprechen. Was spielt sich in dir ab, wenn du eure Musik hörst (mal
abgesehen von der Sauerstoffverbrennung und der Verdauung)? Welche
Gefühle entstehen? In welcher Stimmung bist du, wenn du
schreibst?:
"Also die Stimmung beim komponieren ist total
unterschiedlich. Meistens dudele ich einfach nur daheim auf meinem Sofa
mit meiner Klampfe (bzw. Keyboard) umher und dann fällt mir
früher oder später was brauchbares ein, was ich dann auch
sofort aufnehme ums nicht zu vergessen.
So, wie mein Innerstes gerade
fühlt, so klingt dann auch das entsprechende Stück und
drückt somit eigentlich auch meine Seele aus (in der letzten Zeit
klingt`s immer depressiver!? Up`s!!??) Es gibt aber auch genug Tage, wo
nichts dergleichen passiert, dann lege ich auch gleich wieder die
Instrumente weg oder spiele irgendwelche Sachen die ich schon kenne.
Aber an Tagen, wo mich die Muse küßt und es nur so sprudelt
an Ideen, ärgere ich mich dann immer, das mir einfach die Zeit
fehlt zum ausarrangieren der Stücke, was ja dann doch am
längsten dauert.
Wenn ich aber was fertig habe, höre ich mir
es dann auch immer tausendfach an und sehe innerlich die entsprechenden
Bilder bzw. ein komplettes Video dazu. Was die jeweilige Stimmung
ausdrückt, so wird dann auch der entsprechende, passende Text dazu
ausgewählt.
Die Lyriks sind dann auch immer das, was als letztes
fertig ist. Die fertigen Songs zeige ich dann irgendwann im Proberaum
den anderen, was sie zu spielen oder zu singen haben. Es werden dann
nur noch Kleinigkeiten, wenn was nicht so richtig paßt, geändert
und fertig ist ein Lied."
Ich persönlich hasse diese seltsamen
Kategorisierungen unserer Musik, wie „Apocalyptic Misanthropic
Black Winter Art“ oder „Brutal Hate Grind Death Core“
oder was auch immer sich die Plattenfirmen einfallen zu lassen um das
neueste Machwerk von Kalle vom Dorf- Imbiss als die neue Sensation am
Metal- Himmel anzupreisen. Gelingt es dir, möglichst treffend zu
beschreiben, was das besondere eurer Kunst ist? Ars Metalli preisen
euch ja als FOLK METAL an (dabei denke ich immer an Skyclad oder
Cruachan).:
"Im großen und ganzen ist Folk Metal
eigentlich als Kategorie akzeptabel, aber da fehlt halt noch die
entsprechende Instrumentierung. Unser Produzent sagt immer den
treffenderen Ausdruck „HEIMAT METAL".
Ich würde ja gerne
noch verstärkter Naturinstrumente mit einbringen, aber die sind in
der Anschaffung einfach zu teuer und so richtig spielen kann sie auch
noch keiner von uns. Außerdem haben wir ja alle live anderweitig
voll zu tun, außer unserer Ivonne. Ihr haben wir es ja auch schon
öfters ans Herz gelegt, aber sie will's einfach nicht lernen, bzw.
kann das nicht. Na ja, was soll‘s, sie hat ja noch nicht einmal
ein eigenes Keyboard! HI, HI, HI!!! Mal sehen, vielleicht haben wir ja
auch bald für die Bühne eine Geigerin?!"
Kannst du dir deine Musik auch entspannt
als Fan anhören oder hörst du immer gespannt hin und suchst
nach Fehlern oder nach Dingen, die man verbessern könnte?:
"Manchmal schon noch, aber um so länger
die Aufnahmen zurück liegen und je öfter ich sie höre,
find ich immer mehr, was mir nicht so richtig gefällt. Zu dem
damaligen Zeitpunkt ging es einfach auch nicht besser. Das Demo z.B.
würde ich so nicht noch mal herausbringen!"
Mal angenommen, du gehst auf eine Feier
(Geburtstag, Weihnachten, Sonnenwende, ganz egal) und wirst gebeten,
dich um die Musik zu kümmern. Was würdest du spielen? (So
umgeht man geschickt die Frage nach Einflüssen):
"Auf einer Party würde ich auf jeden
Fall anderes Zeug spielen, als z.B. bei einer Sonnenwende. Bei
Jahreskreisfesten fehlt eigentlich auch immer die elektronische
Beschallung, ist auch besser so.
Aber wenn's so wäre, da
würde ich mehr mythologisch bezogenes und viel Akustisches
hören wollen. Meistens erledigt sich aber der musikalische Defizit
dadurch, daß wir zu vorgerückter Stunde allesamt chromatisch
durcheinander grölen!
Wie schon gesagt, bei einer Party würde
ich schon meine Lieblingsplatten spielen lassen und meine letzten paar
Haare dazu kreiseln.
Bei meiner Jugend angefangen: Das wären unter
anderen Iron Maiden, Celtic Frost, Onslaugth, Carnivore, Kreator,
Destruction, Post Mortem (US), Assassin, Tankard, Vendetta, Blessed
Death, Sacriledge, Viking, Wiphlash, The great Kat, Bathory (aber nur
die Wikingplatten (Inspiration ohne Ende)) Mayhem (die damals zu
Deathchrushs Zeiten keiner kannte), Death usw. über die Grindcore-
Phase mit den alten Napalm Death, OLD, Carcass (rules!!!), BST???,
Disharmonic Orchestra (wo ausnahmsweise mal die letzte Platte die beste
war!), Protector, und die etwas neueren (?) wie Anathema, Enslaved,
Sumoning, Cruachan, Falkenbach, Mithotyn, Mayhemic Truth.
Das war auch
nur ein grober Durchschnitt und ich habe bestimmt die Hälfte
vergessen! Ansonsten höre ich noch Folksachen und ab und zu mal ne
schöne Filmmusik!
Aber ob das alles Einflüsse sind kann ich
nicht so richtig behaupten da ich ja auch nur Riffs mit einarbeite
welche den ganzen Inhalt auch rüberbringen sollen."
Das erste Mal, daß ich auf ODROERIR
aufmerksam wurde, war auf einem Konzert in Trusetal vor etwa 2 Jahren.
Nun habe ich aber seitdem nichts mehr von Auftritten eurerseits
vernommen. Spielt ihr nicht gerne live oder bin ich nur
saumäßig vorbereitet? Scheu dich nicht, ausführlicher
Stellung zu beziehen:
"Ja Ja, ich muß schon sagen du bist
saumäßig vorbereitet! (zu meiner Ehrenrettung: als ich
dieses Interview vorbereitete war die Homepage der Band
(www.odroerir-fix.de) noch nicht so auf Vordermann wie heute, noch dazu
hatte ich den Namen der Seite verschlampt. Möget ihr mir
verzeihen! - Falk)
Wir haben eigentlich schon ziemlich oft, allein
schon in Thüringen, gespielt (Schmalkalden, Zella Mehlis, Rohr,
Waltershausen, Rudolstadt, und wie du schon erwähntest, in
Trusetal). Und im Einsiedel, denke ich, warst du auch (Nein, verdammt!!
– Falk)?
Wir würden ja viel öfters live unterwegs sein,
aber es kommen eigentlich sehr wenige Angebote. Wir sind halt nur eine
unbekannte Demoband und die Konzerte, die außerhalb stattfinden,
werden meistens von Bekannten, denen die Musik gefällt,
organisiert."
Kommen wir mal auf das wichtigste zu
sprechen: euer Debüt-Album. Fertig ist es ja schon seit dem
Frühsommer. Nun scheint aber die Veröffentlichung langsam
näher zu rücken. Kannst du schon mehr sagen? Habt ihr schon
irgendwelche Reaktionen bekommen?:
"Fertig ist das gute Teil ja schon seit
Februar 2001 (sag ich doch: Frühsommer – Falk). Ich hatte
mich extra beeilt wegen Aufnahmen, Mastering und Layout und nur Streß
gehabt, das ich manchmal nicht mehr wußte wo hinten und vorne war,
außerdem kam auch noch gleichzeitig die Aufnahme zur neuen MENHIR
dazu, sodaß ich quasi einer Doppelbelastung unterlag.
Rauskommen sollte
die Platte ja ursprünglich im März. Im April hatten wir sogar
eine Pseudo- Release Party im Einsiedel (Zella Mehlis). Aber jedes mal
kam Commander Dobberstein mit einer anderen Ausrede.
Kurz vor meinem
Geburtstag (Ende Januar 2002) kam dann auch mein schönstes
Geschenk, die lang erwartete CD.
Ja, ich hoffe nun mal, das sie jetzt überall erhältlich ist. Ein paar Bekannten haben wir sie ja
schon vorher auf Tape überspielt, aber denen hat ja auch schon das
Demo gefallen und die paar Reviews, die bis jetzt rauskamen, waren
eigentlich nur positiv."
Was hat euch eigentlich auf Ars Metalli
gebracht? Ich meine, es gab ja schon mal eine Phase, in der von
Commander Dobberstein nix mehr zu hören war. Nun wieder die
Verzögerungen?:
"Das kam halt so, da Christoph (Ars Metalli)
mich damals gleich eine Woche später fragte, wo es mit MENHIR
auseinander ging, ob ich denn musikalisch weiter machen würde, bot
er mir nach meinem „Ja“, sofort einen mündlichen
Plattenvertrag an, obwohl er nie eine Note zu der Zeit gehört
hatte.
Letztendlich habe ich bei ihm unterschrieben, weil er uns
unbedingt haben wollte und auch immer wieder neue Versprechungen
machte. Außerdem wollte uns auch kein anderes Label haben. Ich
hab's ja auch bloß an 5-6 Labels geschickt.
Mal sehen was die
Zukunft bringt."
Du hast mir gegenüber mal erwähnt, daß ein
ehem. Mitglied von euch (Fenrir) für das Layout der
Veröffentlichungen verantwortlich sei. Ich hoffe du kannst mir
trotzdem ein paar Zeilen diesbezüglich auf Papier bringen? Der
Stil beider Zeichnungen scheint ähnlich zu sein. Stellen die Cover
(Demo & Album) bestimmte Szenen aus alten Sagen dar, oder
entstammen sie der Phantasie? Das Cover des Albums ist ziemlich bunt,
findest du nicht?:
"Fenrir wollte sich damals lyrisch und
gesanglich arrangieren, ist aber nichts Richtiges daraus geworden. Aber
dafür hat er mir beim Layouten fürs Demo und der CD geholfen,
weil er mehr der Computerfreak ist und auch allgemein mehr Ahnung davon
hat.
Die Cover stellen jedes mal eine Szene aus der Iring - Sage dar.
Auf dem Demo erschlägt gerade Iring seinen König
Herminafried. Jenes Bild ist aus einem älteren Sagenbuch. Bei der
CD ist es die gleiche Szene, bloß ein paar Momente später,
denn nach seinem Herrn erhebt er abermals das Schwert gegen den
Frankenherrscher Theuderich und lag seinen toten König über
den Leichnamen des Feindes, so das er wenigstens im Tode noch gewann,
was ihn im Leben verwehrt wurde.
Das Bild hat uns extra dafür ein
guter Freund, namens Spitz, auf Leinwand in Öl gemalt, welches nun
eine meiner Wände ziert. Daß das Cover bunt ist, ist doch normal,
wenn man mit Farben malt! Oder?! (Ja gut, das hab ich auch mal
gehört – Falk) Außerdem bin ich kein böser
Dunkelheinieschwarzmeister. Ich mag es nun mal farbenfroh!!!"
Auffallend ist, daß ihr durchweg deutsche
Texte habt. Woran liegt das? Könnt ihr beispielsweise kein Indisch
oder habt ihr es probiert und es hat furchtbar geklungen?:
"Wenn schon indisch, dann im alten Sanskrit!
Ne, das ist halt mal meine Muttersprache, in der denke, rede,
träume und reime ich. Also was liegt da näher?!
Was mich
reizen würde zu vertonen, sind die altgermanischen Sprachen, aber
da ich nun mal kein Fachmann in Etymologie bin und kein Germanistik
Studium hinter mir habe, wird das wohl auch nie geschehen."
Laß uns ein wenig über die
Zukunft plaudern. Habt ihr als Band schon irgendwelche Pläne? Was
passiert mit Odroerir wenn das Album dann veröffentlicht wurde?:
"Die Zukunft kann ich nicht erahnen.
Pläne gibt's schon, neue Songs, neue CD usw.!
Vielleicht auch mal
irgendwann ein rein akustisches Programm für
Mittelaltermärkte und so, aber meistens fehlt mir die Zeit
(außerdem bin ich zur Zeit net (thüringisch für:
„nicht“ – Falk) so richtig motiviert), so etwas
auszuarbeiten und wie schon woanders erwähnt, die Anschaffung der
Instrumente.
Ansonsten, sooft wie es geht, raus auf die Bühne,
weil daß das wirkliche Musikerleben widerspiegelt und einem den
größten Auftrieb gibt."
Was kannst du Personen, die das erste Mal
nach Thüringen kommen, empfehlen. Gibt es deiner Meinung nach
lohnenswerte Ziele und Plätze, die man nicht verpassen darf?:
"Das kommt darauf an, was diejenigen für
Vorlieben haben. Es gibt schon reichlich geschichtsträchtige
Stellen, von allen Epochen der Menschheitsgeschichte, in
Thüringen.
Wenn ich durch meine Heimat ziehe, dann such ich die
Ruhe der Natur, die hier noch des öfteren zu sehen ist. Hier
gibt's auch die meisten urgeschichtlichen bzw. geschichtlichen Anlagen.
Aber fast alle Besucher unseres Freistaates glotzen sich halt nur die
Wartburg an, oder den Trusetaler Wasserfall, der zumal auch noch
künstlich erbaut wurde.
Aber ich glaube schon, das hier
genügend Stellen existieren welche sich lohnen, einmal näher
anzuschauen. Ich schildere hier mal ein paar wenige für mich
interessante und/oder größere Sehenswürdigkeiten aus
meiner Heimat:
Da wären zum einen das Opfermoor bei Oberdorla,
welches mit einem Freilandmuseum ausgestattet ist. Es ist ein, auch von
den Hermunduren genutztes Heiligtum gewesen (siehe Salzschlacht), wo
man bis ins Mittelalter hinein opferte. Ansonsten gibt's da noch die
Steinsburg auf dem kleinen Gleichberg bei Römhild, eine der
größten Keltenanlagen Deutschlands, die schon zur Steinzeit
besiedelt war. Unterhalb ist auch ein Museum über die Gleichberge
und Umgebung zu besichtigen.
Des weiteren sind auf `zig Bergen z.B.
Ringwälle, hauptsächlich in der Rhön noch zu sehen. Oft
gehe ich in meiner Nähe, wenn ich Ruhe suche, auf die Tamburg im
Haderholzgrund (die Sage vom Falkenburgstein von der
„BUCHONIA“) ein Felsen oberhalb des Silgebaches, in der
Nähe von Floh-Seligenthal.
Was auch noch wunderschön ist, der
Falkenstein bei Tambach- Dietharz, ein riesiger, freistehender Felsen,
der oberhalb auseinanderdriftet. (Wirklich sehr schön dort, sollte
man sich nicht entgehen lassen - Falk) Dort kann man dann mit etwas
Kletterübung durchlaufen. Er wird auch viel von Freikletterern
beansprucht. Laut Sage war auf ihm eine Raubritterburg. In dessen
unmittelbarer Nähe ist auch das Röllchen, eine kleine
Schlucht mit Wasserfall und gleich daneben ist noch der Altenfels, ein
Gesteinsmassiv, auf dem mal eine kleinere unbedeutende Feste drauf
stand.
Zu erwähnen wäre vielleicht noch die Stoppfelskuppe
(Frontcover von der „Buchonia“) bei Roßdorf,
wahrscheinlich ein Heiligtum von den Kelten bis zu den Germanen, auf
der man eine Bronzefibel, eine Lanzenspitze und einen Stein mit Runen
fand. Man vermutet, daß die Mauer am Gipfelfelsen mal eine Kapelle
werden sollte.
Dann möchte ich noch den Splitterfall am Rennsteig,
in der Nähe von der Ebertswiese erwähnen, welcher der
eigentlich wahre und größte natürliche Wasserfall
Thüringens ist!!!"
Gibt es deiner Ansicht nach einen
besonderen Zusammenhalt unter den Musikern Thüringens. Was kommt
nach den „Großen 3“ (Gemeint sind die Apokalyptischen
Reiter, Menhir und Eisregen)? Bebt der Underground wirklich? Gibt es
noch hoffnungsvolle Talente im tiefen, finsteren Wald?:
"Da fragst du genau den Falschen! Mich
interessiert nicht, was da so rumkreucht, um mich drum herum.
Es gibt
zwar hier genug Bands (auch ziemlich gute...), aber die meisten machen
wirklich nur das, was alle machen, Scheiße, oder das, was es
schon tausendfach und besser gab.
Erwähnenswert sind unsere
Schwert- und Trinkbrüder von „Mourning Ends“ aus
Saalfeld (melodischer Pagan Black Metal mit dezenten Keyboards), dann
gibt`s noch Tumulus aus Meiningen, dessen beide Veröffentlichungen
aber schon eine Weile her sind (die gibt es noch?? Wahnsinn, ist
wirklich schon ne ganze Weile her – Falk) und die
ungekrönten Thüringer Thrasher von „The
Unchallenged“ (die Band von unserem Produzenten).
Dann sind da
noch die ganzen eklektischen Infantilbands (...die so große
Sprüche klopfen...), die aber erst einmal ihr Fan- Dasein
erarbeiten müßten, ehe sie sich ein Instrument umhängen
dürften!
Zusammenhalt unter den Metallern gab es mal Ende der
80er, aber nicht mehr in der heutigen Szene, da ist jeder gegen jeden
und gegen alles, darauf kann ich ja wohl verzichten. Meine
Unterstützung des Untergrundes liegt hierbei in der Bemühung,
ab und zu mal, hauptsächlich für kleinere Bands, Konzerte zu
organisieren."
Welches sind deiner Meinung nach die
wichtigsten Erfindungen der Menschheit und welche hätte man lieber
in einer schweren Eichentruhe lassen sollen? Wieso? Beschränke
dich bitte jeweils auf drei:
"Positiv:
1. mein supergeniales,
vollgefedertes, mit 27 Gang XTR- Schaltung ausgestattetes Mountain Bike
- mit dem ich fast überall in der Natur zu den entlegensten,
weitesten, höchsten und steilsten Stellen auf ziemlich schnelle
und bequeme Art hinkommen kann! Dabei treibe ich gleichzeitig Ausdauer-
und Kraftsport und bin in der Natur und das Schönste dabei ist,
ich belaste sie nicht mit Lärm, Abgasen und Öl.
2. mein
Trekkingrad, mit dem ich fast das gleiche machen kann, wie oben
genannt, aber das mit reichlich Gepäck für mehrere Wochen und
halt mehr auf Landstraßen oder Feldwegen (quasi
Mädchentouren).
3. der Computer, da ich sonst jetzt alles mit der
Hand schreiben müßte und tausendfach noch mal anfangen
müßte, da ich sonst nicht korrigieren könnte. Auch zum
zocken optimal nutzbar und das Internet dürfen wir nicht vergessen
sowie die ganzen Anwenderprogramme (ich persönlich habe aber nach
12 Jahren Wende immer noch keinen, werde mir aber, was ich ja nun schon
lange vorhabe, irgendwann mal einen kaufen).
Negativ:
1. der
uneffektive Verbrennungsmotor - spricht eigentlich für sich selbst
2. die Bierdose - erstens schmeckt es nicht und außerdem zu viel
Müll für sowenig Trinkerei (meistens liegt es dann auch noch
irgendwo im Wald rum)
3. die ganzen Stifterreligionen die auf der
ganzen Welt und sogar noch heute für Verblendung und Elend sorgen!"
Welche Fragen bewegen dich, wenn du mal nicht Musiker
bist. Über was zerbricht sich Fix hin und wieder den Kopf? Z.B.
Wenn Schwimmen wirklich schlank macht, was machen dann Blauwale falsch?:
"Das leidliche Thema, wie dumm doch der
Mensch ist mit seiner Zivilisation und der ganzen globalen
Umweltzerstörung, der Basis unseres Lebens.
Hier könnte ich
mich jetzt stundenlang auslassen, aber meine misanthropische Ader
behalte ich mal lieber für mich, um nicht endlosen Disputen Raum
zu schaffen oder gar als scheiß Grüner dazustehen, obwohl
ich in diesem Zusammenhang mit Pagan-/ Pantheismus, die Vorwürfe
überhaupt nicht verstehen kann, wo doch die Natur als oberste
Priorität steht."
Was erwiderst du Leuten, die behaupten,
das Leben und alles was wir tun wäre sinnlos, da es sowieso nur
auf das große Finale, den Tod, hinausläuft? Wie holst du dir
Spaß im Leben?:
"Da gibt es so einen schönen Spruch aus dem Havamal der Edda:
Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,
Endlich stirbt man selbst;
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
Welcher sich guten gewann.
Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,
Endlich stirbt man selbst;
Doch eines weiß ich, das immer bleibt:
Das Urteil über den Toten.
Im Grunde haben sie ja recht, du mußt
nichts in deinem Leben, außer sterben. Bloß was man daraus
macht und wie man es ausfüllt bis es soweit ist, ist jedem selbst
überlassen.
Ich persönlich habe genug Spaß in meinem
Dasein, ich bin auch ein ziemlich lustiger Typ der gerne wie so`n
Kobold andere immer necken muß.
Wer mir aber blöd kommt, wird
entweder bekriegt oder einfach ignoriert, ich bin kein Konformist und
laß mir nicht gerne sagen, wo es lang gehen soll und mache deswegen
auch äußerst wenige Kompromisse.
Deswegen meinen auch viele
ich wäre arrogant oder einfach nur schwierig, aber wer mich
richtig kennt, weis daß da ein lebenslustiger und zuweilen ein
loyaler Kompagnon dahinter steckt (jetzt gibt's bestimmt viele
Unkenrufe)!"
Welche Schlagzeile möchtest du mal über dich und/oder deine Band lesen?:
"Fix, Mastermind von ODROERIR, mußte
sterzbesoffen, nach der Zugabe „Zur Taverne“ von der
Bühne getragen werden!
Oder: Blind Guardian supporten ODROERIR bei
ihrer Welttournee! (na klar, und mit Kerry King als Gitarren-Roadie? – Falk)."
Zum Abschluß ein kleines Spiel. Wie
immer am Ende meiner Interviews gebe ich dir fünf Begriffe und du
sagst mir spontan was dir dazu einfällt.
Helloween:
"Eine alte Heavy
Metal Band, ansonsten ist es das von den Christen adaptierte keltische
Samhainfest, welches hauptsächlich bei der irischen Kartoffelpest
mit nach Amerika kam und was zur Zeit als verkitschte Version über
den großen Tümpel zurück nach Europa schwappt. Wir
feiern‘s natürlich auch."
Mutschekiepchen:
"Kenn ich nicht!? (der
Ralph hat mich gerade aufgeklärt = es sind Maikäfer,
stimmts?) (ja okay, ich kenne sie zwar als Marienkäfer, kann aber
auch ein Übertragungsfehler sein - Falk)"
Sterne:
"Lichter am Firmament, Sternzeichen, Sternschnuppen, Stern Meißen???"
Power Metal:
"meistens ganz gute Musiker, wurde aber in der letzten Zeit zu sehr gepuscht. Ich höre es eigentlich seltener!"
Power Rangers:
"mit denen spiel‘ ich manchmal??? Ne Ne, das stümmt net!"
Okay, danke an dich für deine Antworten und viel Erfolg mit ODROERIR!:
"Ich danke dir auch, im Namen der Band!"
Unser Gruß geht diesmal an Al Bundy! (und Marci, wer auch immer das ist):
© Silentium Noctis, März 2002