Dänemark per Drahtesel Part II

Zum zweiten Mal nun wurde der nördliche Nachbar von Deutschland als Reiseziel mit dem Trekkingbike auserkoren, um das Land mit seinem geschichtsträchtigen Boden, flachen Gefilden und dem fast überall anzutreffenden Meeresgestaden zu durchforsten.
Doch zum Baden in der See sind wir in diesen zwei Wochen leider nur einmal gekommen, denn das Wetter wollte nicht so richtig, wie wir uns das vorstellten – und das Mitte August!?!
Es kam uns von Anfang an so vor, als ob Thor sein persönliches Geleit der Route anbot und unweigerlich unser ständiger imaginärer Begleiter wurde, denn es schiffte wirklich fast jeden Tag. Sunna ließ sich derweil nur selten blicken.
Bei jener ca. 750 km langen (verregneten) Pilgerfahrt waren diesmal Stickel und natürlich meiner einer mit dabei.




Mit der Bahn fuhren wir so ca. 10 Stunden nach Flensburg, welches kurz vor der dänischen Grenze liegt. Da es aber zwei Uhr morgens war als wir ankamen, ließen wir uns mit unseren Isomatten einfach unter ein paar Bäumen in der Nähe des Strands nieder. Es dauerte auch gar nicht lange und die ersten Regentropfen träufelten schon durch das Blätterdach auf uns herab und wir mußten uns eine schnelle und adäquate Lösung einfallen lassen. Also: Überzelt raus und flugs über die Fahrräder, die als Ständer fungierten, gezogen. Wir legten uns dann so gut es ging unten drunter, um in „Ruhe“ weiter schlafen zu können.




Brücke zur Insel Nyord

Zu vorgerückter Stunde hörte es auch mal wieder auf mit dem Plätschern und wir machten uns so langsam aufwärts gen Jütland. Schnell gab’s aber erst noch eine Stärkung in einem Strandbistro, bevor wir den verlassenen Grenzübergang überquerten.

In Dänemark eingetroffen dauerte es auch gar nicht lange und wir zweigten bei Sønderhav in das dortige Waldgebiet ab, um die ersten Relikte der alten Kulturen auf unserer Radtour aufzusuchen. Mehr als ein paar kleinere, „unspektakuläre“ Hügel- bzw. Steinkistengräber und eine ca. 200 bis 300 Jahre alte Eiche fanden wir aber leider nicht.

Auf der Weiterfahrt sind wir in der Nähe von Broager mehr durch Zufall auf eine, noch nicht weiter erforschte, eisenzeitliche Ringwallanlage gestoßen, die sich mit einem ca. 50 m breiten Durchmesser oberhalb der Stadt erhebt.

Auf regionalen Radwegen durchquerten wir noch die gleichnamige Halbinsel und fanden dann in einem Wald an der östlichen Steilküste den schönsten Übernachtungsplatz des gesamten Urlaubs.




Sonnenuntergang auf Møn

Am nächsten Morgen, oder besser gesagt mittags – es schiffte die halbe Nacht – fuhren wir schnurstracks nach Sønderborg.
Hier kehrten wir erstmal gemütlich ein, kauften uns Kartenmaterial und diverse andere Sachen, bzw. tauschten ein paar Euros in dänische Kronen um.


Klintinghøj

Hernach ging es an der Küste auf wunderschönen Strecken entlang.
Alsbald kamen wir zum Klintinghøj, einem freistehendem Dolmengrab, an welchem wir beinahe noch vorbeigefahren wären.


und noche mal

Es war schon etwas später und wir mußten so langsam aber sicher weiter, da wir noch keinen Schlafplatz für die Nacht hatten. Ausgesucht wurde diesmal wieder ein Naturzeltplatz. Dieser lag diesmal an einem Haus und wurde von einem älteren, netten und aus Norwegen eingewanderten Ehepaar verwaltet.
Er kostete nur 25 Kronen mit Dusche, was will man mehr?! Der ist genehmigt! So bauten wir kurzerhand das Zelt direkt unten am Ufer auf, haben noch etwas gegessen und bei Wetterleuchten am Horizont sind wir irgendwann eingeschlafen.




Diesmal standen wir früher auf als sonst, denn es begrüßte uns ausnahmsweise mal die Sonne, dafür wehte aber der Wind um so heftiger. Nach dem Duschen und einem ausgedehnten Frühstück machten wir uns auf zur nächsten Etappe.

Ein neolitischer Friedhof namens Blommeskobbel an der Ostküste von Alsen war unser erster Anlaufpunkt. Hier liegen verschiedene Lang- und Runddolmen in einem kleinen Wäldchen verborgen, welche mittels eines Wanderweges von der Straße aus zu erreichen sind.

eingefallener Steg an dem Møns Klint

Gräberfeld Blommeskobbel

Bei der Weiterfahrt holte uns bei Fynshav zum ersten Mal für heute ein Regenschauer ein und wir flüchteten Richtung Hafen in der Hoffnung, eine Cafeteria bzw. einen Imbiß dort zu finden. Unverhoffter Dinge und ohne Brotzeit ging’s dann auch gleich weiter und wir durchstreiften die Wälder von Nørreskov.
Den Weg säumten unzählige und zum Teil versteckte Megalithgräber. Unvermittelt kamen wir dazu noch an Helvedgård, einem ehemaligen mittelalterlichen Wasserschloß, vorbei.

ein paar Nekropolen in den Wäldern von Nørreskov

Das nächste Ziel wurden die wikingerzeitlichen Steinschiffssetzungen bei Stolbro Lokke an der Westküste der Insel. Von den ursprünglich vier Anlagen waren außer ein paar vereinzelten Steinen eigentlich nichts mehr zu sehen.

Naturzeltplatz an den Stevns Klint nähe Sigerslev

Mit kurzem Einkaufsstopp in Guderup radelten wir zurück zum Oststrand, um uns ein Nachtlager für heute zu suchen. Den ersten Naturzeltplatz, den wir ansteuerten, fanden wir einfach nicht und beim zweiten machte sich eine holländische Großfamilie so dermaßen breit, daß wir kurzerhand das Weite suchten. In einem Buchenwäldchen direkt an der Küste schlugen wir dann unser Lager auf.




Heute galt es von der idyllischen Insel Alsen Abschied zu nehmen, so daß wir auf schnellstem Wege erneut Richtung Sønderborg fuhren.
Nach einer kurzen Zwischenmahlzeit am Hafen ging’s zurück aufs Festland, wo wir der Ostseeroute gegen Norden weiter folgten.

...eine von den älteren Windkrafträdern!

Auf der Strecke machten wir bei Øster Sottrup einen kurzen Abstecher zum Nydammoor, einem der bekanntesten Kultplätze aus der römischen Eisenzeit.

Wo hier in der Vergangenheit eines der größten Opfermoore gelegen hatte, grasen heute ganz profan und gemächlich Kühe. Viel zu sehen gibt es nicht wirklich, nur eine Hinweistafel steht in der Nähe und verweist auf ein paar Funde, die bei den verschiedenen Ausgrabungen zu Tage gefördert wurden und momentan, unter anderem im Schloß Cottorf in Schleswig, ausgestellt sind.

Beim weiteren Verlauf der Strecke stellte sich Südostjütland als gar nicht so flach heraus, wie man es eigentlich von Dänemark gewohnt ist bzw. überall angepriesen und beschrieben wird. Ein Hügel reihte sich nach dem anderen auf und stellenweise sah es schon fast so aus, als ob man in einem Mittelgebirge unterwegs sei.

Kurz vor Aabenraa kam dann auch noch das sich schon länger angekündigte Unwetter auf uns hernieder, weswegen wir kurz entschlossen ein Zimmer in der Stadt nahmen.
Bei ein paar Bierchen in einer Eckkneipe ging auch dieser Abend beschaulich zu Ende.

Gedser



Mit Sonnenschein, aber nicht wirklich warmem Wetter, begann der nächste Tag.
Wir radelten als erstes auf dem Ochsenweg Richtung Hovslund Stationsby, um uns einen Runenstein anzusehen, der gleich neben der Straße steht.

Eine wechselvolle Geschichte hat jenes Vorzeitdenkmal – „Hærulfstenen“ genannt – hinter sich. Als Kriegsbeute bzw. Souvenir kam er durch Prinz Friedrich Karl von Preußen im vorletzten Jahrhundert zum Jagdschloß "Dreilinden" bei Potsdam.
Erst 1951 wurde er von Deutschland an Dänemark wieder zurückgegeben, um ihn an seinem ursprünglichen Platz erneut aufzustellen. Seine Inschrift besagt nur lapidar „hairulfR“, ein Männernamen, was auf Deutsch „Heerwolf“ bedeutet!


Hærulfstenen


Strangelshøj

In unmittelbarer Nähe liegt auch das bronzezeitliche Hügelgrab „Strangelshøj“ mit einem aufrechtstehenden markanten Findling davor. Laut Volkssage dreht sich angeblich jener um die eigene Achse, wenn er frisches Brot riecht!?! Da aber unser Gebäck anscheinend schon zu alt war, bewegte er sich keinen einzigen Zentimeter.

Der Ochsenweg, welcher auch Heerweg genannt wird, begleitete uns bis nach Vedsted.
Dort in der Gegend bei Holmshus schauten wir uns abermals ein Gräberfeld aus der Jungsteinzeit an, ehe es auf kleinen Landstraßen zurück Richtung Ostseeküste ging.

Ostseeroute





Gräberfeld Holmshus


Bei Kelstrup Strand dachten wir eigentlich, ein Strandcafé oder ähnliches zu finden, aber überall sah es hier wie ausgestorben aus – fast schon wie in einer Geisterstadt!
So haben wir unsere eigenen Vorräte abermals geplündert, bevor wir nach Tamdrup Høj, dem angeblich größten Tumulus Südjütlands, entgegen rollten.


Tamdrup Høj

Auf diesem opulenten Grabhügel hatte man wahrlich einen herrlichen Rundumblick.
Stickel schlummerte erstmal eine Runde unterhalb des Hügels und ich kochte mir in der Zwischenzeit einen riesigen Bottich Kaffee, auf den ich schon so lange harrte.
Gegen 18 Uhr rafften wir uns dann für die Weiterfahrt wieder auf.

Ein Runenstein vor der Kirche in Starup stand fürderhin auf unserer noch-zu-erledigen-Liste.
Anscheinend jahrelang achtlos „mit Füßen getreten“ (da er erst 1914 durch Restaurierungsarbeiten (wieder-) entdeckt wurde und anscheinend vorher als Türstufe für die Kirche diente), wird der aus heidnischer Zeit stammende Runenstein heutzutage im Kirchhof grotesker weise mit Blumen geschmückt!?
Bei Haderslev direkt am Ufer von Haderslev Dam verbrachten wir dann die Nacht.


Runenstein



Ups, es schien am nächsten Morgen tatsächlich mal die Sonne, ohne das sich dahinter schon wieder eine riesige Wolkenbank auftürmte.
Das heißt endlich Badewetter, schließlich waren wir in diesem Urlaub noch nicht einmal im Wasser gewesen!!!
Doch erstmal mußten wir ein paar Kilometer schruppen, bevor wir zur Ostsee und am Strand von Sandersvig ankamen.
Das Wasser war, wie vermutet, nicht besonders warm. Aber was soll’s, irgendwie mußten wir da doch mal rein.
Ein paar Stunden verweilten wir auch dort, ehe wir uns wieder auf die Socken machten.
Durch Hejlsminde und Hejls hindurch und immer der Nationalroute 5 folgend, radelten wir Richtung Norden.
Zwischendurch kauften wir noch ein paar Biers für die Abendstunden und peilten hernach gemächlich das nächste Nachtquartier an. Ausgesucht hatten wir uns erneut einen kostenlosen Zeltplatz. Da es aber Wochenende war, jener direkt am Strand lag und dazu noch mit dem Auto ziemlich leicht zu erreichen ist, wurde er natürlich auch schon reichlich von anderen Passanten belagert.
Nu denn, auf die Fahrräder wieder drauf und eine neue einsamere Stelle suchen.
Heureka, die fanden wir dann auch nach ca. 10 km hinter einem etwas größeren Wald.
Ein direkt am Meer gelegener Rastplatz unterhalb einer bronzezeitlichen Anlage, mit genügend Sitzgelegenheiten und einer Feuerstelle.
Und das schönste dabei, es war „kein Schwein“ zu sehen! Perfekt!

Bevor es dunkel wurde haben wir als erstes die bronzezeitliche Anlage inspiziert, hernach das Zelt aufgebaut, schnell noch ein Feuer entzündet und unser lecker Tuborg rausgeholt.
Beim Anblick des Himmelszeltes ist uns dann auch noch mehr durch Zufall aufgefallen, – wir hatten uns gerade gestritten, ob nun Vollmond oder schon abnehmender Mond sei – daß in jener Nacht eine Mondfinsternis stattfand. Somit konnten wir auch das Geheimnis unseres Disputes lüften.




Komischerweise ist das Zelt in der letzten Nacht mal trocken geblieben?!?
Früh am Morgen bin ich nochmals leichtsinnigerweise für eine Katzenwäsche ins Wasser gesprungen, wodurch ich mir wahrscheinlich eine Erkältung zuzog. Ja ja, man ist halt nicht mehr der Jüngste.
Noch bei Sonnenschein konnten wir dann losfahren, was sich aber im Laufe des Tages, wie zu erwarten, änderte.
Erste Station sollte eigentlich irgendein Imbiß oder ähnliches am Strand bzw. am Hafen von Kolding werden. Da es so etwas hier oben anscheinend wirklich ziemlich selten gibt, mußten wir zur Innenstadt ausweichen, um etwas nach unseren „Extrawünschen“ zu bekommen.

Nach einem Bauernfrühstück machten wir uns auf zur Überfahrt Richtung Nordseeküste. Erstmal nach Våmdrup und dann weiter den Radweg 64 entlang durch Jels.
Dort wären wir beinahe auch an einem Wikingerhofnachbau vorbeigefahren. Zum Glück haben wir es noch gepeilt und fragten beim Eingangshäuschen nach dem Eintritt.

Es war eigentlich offiziell nicht offen gewesen, aber man ließ uns freundlicherweise auf das Grundstück, so daß wir uns dort in Ruhe umschauen konnten.





Jels Vikingeby


Einige Zeit später, bei Gram am gleichnamigen Flüßchen, inspizierten wir einen Kajakschlafplatz, um vielleicht hier die Nacht zu verbringen. Es blieb uns auch nichts anderes mehr übrig, als dort zu nächtigen, denn es fing sogleich ein Regenschauer an.
Zum Glück gab’s da aber einen geräumigen Unterstand, wo wir unter trockenen Bedingungen das Abendbrot zu uns nehmen konnten.




Auch diese Nacht, wie sollte es anders sein, verließ uns der Regen nicht.
Zu vorgerückter Stunde konnten wir dann endlich das Zelt abbauen.
Auf dem Weg nach Ribe, schauten wir noch in der Nähe von Harreby bei einem weiteren neolithischen Grabplatz vorbei.

Grabkammer

Campingplatz an der Steilküste von Møn

Endlich in der recht anschaulichen und gemütlichen Stadt angekommen, aßen wir, wie sollte es anders sein, erstmal eine Kleinigkeit.
Da es schon nachmittags um Drei war, entschieden wir uns, das Wikinger Freilichtmuseum erst am nächsten Tag zu besichtigen.
Eigentlich wollten wir dann auf die kleine Insel Mandø rüber, da aber der Weg durchs Wattenmeer nur bei Ebbe begehbar ist und wir noch ein paar Stunden hätten warten müssen, sind wir kurz entschlossen weiter gefahren.

Da der in der Karte eingezeichnete Naturzeltplatz bei Frifelt nicht mehr zu existieren scheint und auch die dort vermerkte Pension scheinbar nicht mehr offen hat, mußten wir erneut umdisponieren. Neues Ziel wurde dann, mit der Hoffnung auf eine ordentliche Dusche und vielleicht noch ein paar Bierchen für den restlichen Abend, der Ribe-Zeltplatz.
Daher, Turbo an und wir strampelten auf schnellstem Wege nach Ribe zurück.



Nach einem kurzen Einkaufsbummel in der urigen Innenstadt ging’s dann nun endlich zum Ribe Vikingcenter.
Da begrüßten einen schon am Eingang aus Holz geschnitzte Nornen und stimmten so mit auf das dahinter liegende Museumsdorf ein.
Hier sind auf einem riesigen Areal diverse Häuser und deren Umfeld aus der Wikingerzeit akribisch rekonstruiert worden – wie üblich mit sauteurem Eintritt, dafür aber lohnenswert.



ODROERIR

Nach unserem ausführlichen Rundgang wurde schnell noch ein Platter geflickt und wir wandelten dann mit stetigem Gegenwind Richtung Süden weiter.


Linkes Foto: Nachgemachter Runenstein mit Hörnertriskelion

Ungefähr bei Brøns hielt hektisch vor uns ein Autofahrer an und erzählte aus heiterem Himmel heraus, daß hier im Moment ein Naturphänomen stattfindet.
Aufmerksam hörten wir zu, was er zu erklären hatte: Alljährlich im Frühjahr und im Herbst absolvieren dort in der Gegend so ca. eine Millionen Stare markante Flugmanöver, was hier „Schwarze Sonne“ genannt wird.


Schwarze Sonne

Hui hui hui, dachten wir uns, müssen wir hier gleich ein paar Antinazi-Parolen in großen Lettern vor uns halten und wieder mal jemandem begreiflich machen, daß wir doch so gar nichts mit so etwas zu tun haben und hier oben einfach nur Urlaub machen wollen! Aber anscheinend steht dieser Begriff hier in keinem so negativen Zusammenhang, wie in Deutschland – er bedeutet offensichtlich auch etwas ganz anderes.
Nur gut so, sonst könnten ja Christian Dornbusch, Jan Raabe und Co wieder ein paar Hetzkampagnen heraufbeschwören und Podiumsdiskussionen anleiern bzw. sich für ein rigoroses Verbot der „völkischen“ Vögel bei Ornithologen einsetzen. Ernst bei Seite!

Es wurde schon dunkel und der Zeltplatz bei Skærbæk, den wir suchten, war irgendwie nicht aufzufinden.

Kurz auf die Karte geschaut und einen Rastplatz vor ein paar Hügelgräbern als Alternative ausgesucht.

Steilküste auf Falster



Erste Tagesaufgabe für heute war, den „Hjemsted Oldtidspark“ zu besuchen. Doch erst einmal mußten wir unser Lager bei einem Regenschauer so schnell wie möglich abbauen, hatten wir es denn nicht schon den Abend zuvor bei gleicher Wetterlage auch aufstellen müssen??? So bekommen wir das Zelt nie trocken!

Am Museum angekommen, welches sich voll und ganz der Eisenzeit widmet, ging’s als erstes in eine 1000 m² unterirdische, sehr gut gemachte und informative Ausstellung, bevor wir das übergroße Freigelände mit seinen unterschiedlichen Gehöften bestaunen konnten.


Opfermoor
Hjemsted Oldtidspark Museum

Mal ein anderes und meines Erachtens auch ansehnlicheres Museum.
Hier könnten sich die Macher des häßlichen Eisenrostklumpens in Kalkriese oder der klobigen „Arche Nebra“ mit dem verschandelten Anblick des Betonklotzes auf dem Mittelberg (Fundort der berühmten Sternenscheibe) mal ’ne Scheibe abschneiden.
Mit extremem Gegenwind und nur ca. 8 km/h (und das auf einer Geraden!?!?!) steuerten wir auf dem ungefähr 10 km langen Fahrdamm nach Rømø rüber.



Heidelandschaft
auf Rømø

Da es tagsüber immer mal wieder regnete und das Wetter auch nicht unbedingt so aussah, als ob es besser werden würde, haben wir uns für diese Nacht in einem Bauernhof eingemietet.
Abends machten wir noch eine kurze Erkundungstour über einen Teil der erst 2000 bis 3000 Jahre alten Insel.




Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich gleich weiter, aber ein neuerlicher Regenschauer hat unseren Start nach hinten verschoben. Gegen 11 Uhr kamen wir dann endlich los.
Die Überfahrt aufs Festland war diesmal ein Kinderspiel, hatten wir doch perfekten Rückenwind. Der stellte sich aber bei unserer Richtungsänderung an der Nordsøruten als doch nicht so willkommen dar.
In Prospekten wird ja die Marschlandschaft an der Nordsee immer wieder als wunderschön angepriesen, aber irgendwie können wir mit dieser Meinung gar nicht einher gehen.

Alles ist flach wie eine Flunder und kilometerweit sieht man nur eine Wiesenlandschaft mit darauf grasenden Schafen. Auch stehen hier etliche, zwar ökologisch sehr sinnvolle, aber nicht gerade unbedingt grazil wirkende und landschaftsfördernde Windräder.
Dazu versperrt ein ellenlanger Damm zum größten Teil obendrein noch den Blick zum Meer. Da war uns die Ostseeseite doch tausendmal lieber!!!
Unsere Meinung änderten auch die zahlreichen Hügelgräber an der Strecke nicht.


Nur Felder & ein paar Hügelgräber!

Hinter Højer sind wir dann ins Landesinnere abgebogen und kurz oberhalb Møgeltønder begutachteten wir zum Tagesabschluß noch den Fundplatz der berühmten und in fast jedem Germanenbuch abgebildeten Goldhörner von Gallehus.
Die Artefakte gibt’s ja bekanntlich nicht mehr, da sie schon vor geraumer Zeit dekadenterweise gestohlen und wahrscheinlich auch eingeschmolzen wurden. Es existieren heute nur noch ein paar Replikate davon.



Ein paar Gedenksteine erinnern heutzutage noch an den Fundort der Kulthörner


In Gallehus nahmen wir ein, diesmal äußerst preiswertes, Zimmer.
Hier bekamen wir von ein paar sehr netten Omis dankender weise erst einmal Kaffee, Tee und Kuchen gesponsert, die uns anscheinend so sehr in ihr Herz geschlossen hatten, daß wir auf den ohnehin schon günstigen Übernachtungspreis nochmals Rabatt erhielten.




Mit Sonnenschein begannen eigentlich, wie am Vortag auch, die frühen Morgenstunden, aber in Tønder holte uns wiederum ein schwarzes Wolkengebilde ein und es ergoß sich etliche Zeit ein Gewitter über der Stadt. So waren wir „gezwungen“, Unterschlupf bei einem Imbißstand zu nehmen und verjubelten die letzen paar Kronen.

Mittlerweile ist uns aber das schlechte Wetter so was von scheißegal geworden, woraufhin wir nach über einer Stunde vergeblichen Wartens, aber bei leichter werdendem Regen einfach weiter gefahren sind.


Der Radweg Nr. 8 brachte uns allmählich wieder zurück nach Deutschland. Viel zu entdecken gab’s leider nicht mehr. Ein kurzer Abstecher noch in den Wald der Frøslev Plantage, danach quer durch Padborg und schon waren wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour in Flensburg angelangt.
Zum Urlaubsabschluß haben wir in einem Hafenrestaurant erstmal wieder diniert – war ja auch nicht anders zu erwarten. Danach sind wir mit gut gefülltem Magen zu unserer letzten Schlafstelle, einem Kajakrastplatz am Ufer gleich hinter der deutsch/dänischen Grenze, gefahren.




Der Donnergott wollte uns mutmaßlich einen würdigen Abschlußreigen vorführen, denn am letzten Morgen wollte es gar nicht mehr aufhören zu schütten, obwohl es ja schon fast die ganze Nacht in Strömen regnete. So richtig bekümmerte uns das aber nicht mehr, saßen wir doch alsbald in einem trockenen Zugabteil.
Während der langen Heimfahrt trafen wir noch auf den einen oder anderen Tourenradler und bei gemeinsamen Gesprächen kam heraus, daß wir anscheinend die einzigen waren, die mit so einem permanent schlechten Wetter auskommen mußten.




FAZIT:

Abgesehen vom Wetter und den manchmal ganz schön überzogenen Preisen ist Dänemark, besonders mit dem Fahrrad, immer eine Reise wert.
Gerade wenn man viel Kulturhistorisches sehen möchte, bekommt man hier ein überreichliches und breitgefächertes Angebot. Radwege sind im Überfluß vorhanden und super beschildert, fast schon wie in einem Radlerparadies.
Auf (Süd-)Jütland scheint auch fast jeder gut deutsch und englisch zu können, so daß es hier auch keine Verständigungsschwierigkeiten gibt. Wir sind auf jeden Fall sehr gut zurechtgekommen und haben in den knapp zwei Wochen auch nur nette und hilfsbereite Menschen getroffen bzw. kennengelernt.
Unser ursprüngliches Ziel der Reise – die Jellingsteine – haben wir zwar nicht erreicht, aber aufgeschoben ist ja bekanntermaßen nicht aufgehoben.
Also vielleicht bis zum nächsten Mal!

Tipps:
http://iarlsae.dk
http://www.ribevikingecenter.dk
http://www.hjemsted.dk
Ochsenweg / Heerweg
Dänemark allgemein