Dänemark per Drahtesel Part II |
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Zum zweiten Mal nun wurde der nördliche Nachbar von Deutschland als Reiseziel mit dem Trekkingbike auserkoren, um das Land mit seinem geschichtsträchtigen Boden, flachen Gefilden und dem fast überall anzutreffenden Meeresgestaden zu durchforsten. Doch zum Baden in der See sind wir in diesen zwei Wochen leider nur einmal gekommen, denn das Wetter wollte nicht so richtig, wie wir uns das vorstellten – und das Mitte August!?! |
Es kam uns von Anfang an so vor, als ob Thor sein persönliches Geleit der Route anbot und unweigerlich unser ständiger imaginärer Begleiter wurde, denn es schiffte wirklich fast jeden Tag. Sunna ließ sich derweil nur selten blicken. Bei jener ca. 750 km langen (verregneten) Pilgerfahrt waren diesmal Stickel und natürlich meiner einer mit dabei. |
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Mit der Bahn fuhren wir so ca. 10 Stunden nach Flensburg, welches kurz vor der dänischen Grenze liegt. Da es aber zwei Uhr morgens war als wir ankamen, ließen wir uns mit unseren Isomatten einfach unter ein paar Bäumen in der Nähe des Strands nieder. Es dauerte auch gar nicht lange und die ersten Regentropfen träufelten schon durch das Blätterdach auf uns herab und wir mußten uns eine schnelle und adäquate Lösung einfallen lassen. Also: Überzelt raus und flugs über die Fahrräder, die als Ständer fungierten, gezogen. Wir legten uns dann so gut es ging unten drunter, um in „Ruhe“ weiter schlafen zu können. |
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Zu vorgerückter Stunde hörte es auch mal wieder auf mit dem Plätschern und wir machten uns so langsam aufwärts gen Jütland. Schnell gab’s aber erst noch eine Stärkung in einem Strandbistro, bevor wir den verlassenen Grenzübergang überquerten. In Dänemark eingetroffen dauerte es auch gar nicht lange und wir zweigten bei Sønderhav in das dortige Waldgebiet ab, um die ersten Relikte der alten Kulturen auf unserer Radtour aufzusuchen. Mehr als ein paar kleinere, „unspektakuläre“ Hügel- bzw. Steinkistengräber und eine ca. 200 bis 300 Jahre alte Eiche fanden wir aber leider nicht. |
Auf der Weiterfahrt sind wir in der Nähe von Broager mehr durch Zufall auf eine, noch nicht weiter erforschte, eisenzeitliche Ringwallanlage gestoßen, die sich mit einem ca. 50 m breiten Durchmesser oberhalb der Stadt erhebt. |
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Am nächsten Morgen, oder besser gesagt mittags – es schiffte die halbe Nacht – fuhren wir schnurstracks nach Sønderborg. |
Hernach ging es an der Küste auf wunderschönen Strecken entlang. |
| Es war schon etwas später und wir mußten so langsam aber sicher weiter, da wir noch keinen Schlafplatz für die Nacht hatten. Ausgesucht wurde diesmal wieder ein Naturzeltplatz. Dieser lag diesmal an einem Haus und wurde von einem älteren, netten und aus Norwegen eingewanderten Ehepaar verwaltet. |
Diesmal standen wir früher auf als sonst, denn es begrüßte uns ausnahmsweise mal die Sonne, dafür wehte aber der Wind um so heftiger. Nach dem Duschen und einem ausgedehnten Frühstück machten wir uns auf zur nächsten Etappe. |
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Gräberfeld Blommeskobbel |
Bei der Weiterfahrt holte uns bei Fynshav zum ersten Mal für heute ein Regenschauer ein und wir flüchteten Richtung Hafen in der Hoffnung, eine Cafeteria bzw. einen Imbiß dort zu finden. Unverhoffter Dinge und ohne Brotzeit ging’s dann auch gleich weiter und wir durchstreiften die Wälder von Nørreskov. |
ein paar Nekropolen in den Wäldern von Nørreskov |
Das nächste Ziel wurden die wikingerzeitlichen Steinschiffssetzungen bei Stolbro Lokke an der Westküste der Insel. Von den ursprünglich vier Anlagen waren außer ein paar vereinzelten Steinen eigentlich nichts mehr zu sehen. |
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Mit kurzem Einkaufsstopp in Guderup radelten wir zurück zum Oststrand, um uns ein Nachtlager für heute zu suchen. Den ersten Naturzeltplatz, den wir ansteuerten, fanden wir einfach nicht und beim zweiten machte sich eine holländische Großfamilie so dermaßen breit, daß wir kurzerhand das Weite suchten. In einem Buchenwäldchen direkt an der Küste schlugen wir dann unser Lager auf. |
Heute galt es von der idyllischen Insel Alsen Abschied zu nehmen, so daß wir auf schnellstem Wege erneut Richtung Sønderborg fuhren. |
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Auf der Strecke machten wir bei Øster Sottrup einen kurzen Abstecher zum Nydammoor, einem der bekanntesten Kultplätze aus der römischen Eisenzeit. |
Beim weiteren Verlauf der Strecke stellte sich Südostjütland als gar nicht so flach heraus, wie man es eigentlich von Dänemark gewohnt ist bzw. überall angepriesen und beschrieben wird. Ein Hügel reihte sich nach dem anderen auf und stellenweise sah es schon fast so aus, als ob man in einem Mittelgebirge unterwegs sei. |
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Mit Sonnenschein, aber nicht wirklich warmem Wetter, begann der nächste Tag. |
Eine wechselvolle Geschichte hat jenes Vorzeitdenkmal – „Hærulfstenen“ genannt – hinter sich. Als Kriegsbeute bzw. Souvenir kam er durch Prinz Friedrich Karl von Preußen im vorletzten Jahrhundert zum Jagdschloß "Dreilinden" bei Potsdam. |
In unmittelbarer Nähe liegt auch das bronzezeitliche Hügelgrab „Strangelshøj“ mit einem aufrechtstehenden markanten Findling davor. Laut Volkssage dreht sich angeblich jener um die eigene Achse, wenn er frisches Brot riecht!?! Da aber unser Gebäck anscheinend schon zu alt war, bewegte er sich keinen einzigen Zentimeter. |
Der Ochsenweg, welcher auch Heerweg genannt wird, begleitete uns bis nach Vedsted. |
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Bei Kelstrup Strand dachten wir eigentlich, ein Strandcafé oder ähnliches zu finden, aber überall sah es hier wie ausgestorben aus – fast schon wie in einer Geisterstadt! |
Auf diesem opulenten Grabhügel hatte man wahrlich einen herrlichen Rundumblick. |
Ein Runenstein vor der Kirche in Starup stand fürderhin auf unserer noch-zu-erledigen-Liste. |
Ups, es schien am nächsten Morgen tatsächlich mal die Sonne, ohne das sich dahinter schon wieder eine riesige Wolkenbank auftürmte. |
Komischerweise ist das Zelt in der letzten Nacht mal trocken geblieben?!? |
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Nach einem Bauernfrühstück machten wir uns auf zur Überfahrt Richtung Nordseeküste. Erstmal nach Våmdrup und dann weiter den Radweg 64 entlang durch Jels. |
Es war eigentlich offiziell nicht offen gewesen, aber man ließ uns freundlicherweise auf das Grundstück, so daß wir uns dort in Ruhe umschauen konnten. |
Einige Zeit später, bei Gram am gleichnamigen Flüßchen, inspizierten wir einen Kajakschlafplatz, um vielleicht hier die Nacht zu verbringen. Es blieb uns auch nichts anderes mehr übrig, als dort zu nächtigen, denn es fing sogleich ein Regenschauer an. |
Auch diese Nacht, wie sollte es anders sein, verließ uns der Regen nicht. Zu vorgerückter Stunde konnten wir dann endlich das Zelt abbauen. Auf dem Weg nach Ribe, schauten wir noch in der Nähe von Harreby bei einem weiteren neolithischen Grabplatz vorbei. |
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Endlich in der recht anschaulichen und gemütlichen Stadt angekommen, aßen wir, wie sollte es anders sein, erstmal eine Kleinigkeit. |
Da der in der Karte eingezeichnete Naturzeltplatz bei Frifelt nicht mehr zu existieren scheint und auch die dort vermerkte Pension scheinbar nicht mehr offen hat, mußten wir erneut umdisponieren. Neues Ziel wurde dann, mit der Hoffnung auf eine ordentliche Dusche und vielleicht noch ein paar Bierchen für den restlichen Abend, der Ribe-Zeltplatz. Daher, Turbo an und wir strampelten auf schnellstem Wege nach Ribe zurück. |
Nach unserem ausführlichen Rundgang wurde schnell noch ein Platter geflickt und wir wandelten dann mit stetigem Gegenwind Richtung Süden weiter. Linkes Foto: Nachgemachter Runenstein mit Hörnertriskelion |
Ungefähr bei Brøns hielt hektisch vor uns ein Autofahrer an und erzählte aus heiterem Himmel heraus, daß hier im Moment ein Naturphänomen stattfindet. |
Hui hui hui, dachten wir uns, müssen wir hier gleich ein paar Antinazi-Parolen in großen Lettern vor uns halten und wieder mal jemandem begreiflich machen, daß wir doch so gar nichts mit so etwas zu tun haben und hier oben einfach nur Urlaub machen wollen! Aber anscheinend steht dieser Begriff hier in keinem so negativen Zusammenhang, wie in Deutschland – er bedeutet offensichtlich auch etwas ganz anderes. |
Es wurde schon dunkel und der Zeltplatz bei Skærbæk, den wir suchten, war irgendwie nicht aufzufinden. |
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Erste Tagesaufgabe für heute war, den „Hjemsted Oldtidspark“ zu besuchen. Doch erst einmal mußten wir unser Lager bei einem Regenschauer so schnell wie möglich abbauen, hatten wir es denn nicht schon den Abend zuvor bei gleicher Wetterlage auch aufstellen müssen??? So bekommen wir das Zelt nie trocken! |
Am Museum angekommen, welches sich voll und ganz der Eisenzeit widmet, ging’s als erstes in eine 1000 m² unterirdische, sehr gut gemachte und informative Ausstellung, bevor wir das übergroße Freigelände mit seinen unterschiedlichen Gehöften bestaunen konnten. |
Hjemsted Oldtidspark Museum |
Mal ein anderes und meines Erachtens auch ansehnlicheres Museum. |
Da es tagsüber immer mal wieder regnete und das Wetter auch nicht unbedingt so aussah, als ob es besser werden würde, haben wir uns für diese Nacht in einem Bauernhof eingemietet. |
Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich gleich weiter, aber ein neuerlicher Regenschauer hat unseren Start nach hinten verschoben. Gegen 11 Uhr kamen wir dann endlich los. |
Alles ist flach wie eine Flunder und kilometerweit sieht man nur eine Wiesenlandschaft mit darauf grasenden Schafen. Auch stehen hier etliche, zwar ökologisch sehr sinnvolle, aber nicht gerade unbedingt grazil wirkende und landschaftsfördernde Windräder. |
Hinter Højer sind wir dann ins Landesinnere abgebogen und kurz oberhalb Møgeltønder begutachteten wir zum Tagesabschluß noch den Fundplatz der berühmten und in fast jedem Germanenbuch abgebildeten Goldhörner von Gallehus. |
In Gallehus nahmen wir ein, diesmal äußerst preiswertes, Zimmer. |
Mit Sonnenschein begannen eigentlich, wie am Vortag auch, die frühen Morgenstunden, aber in Tønder holte uns wiederum ein schwarzes Wolkengebilde ein und es ergoß sich etliche Zeit ein Gewitter über der Stadt. So waren wir „gezwungen“, Unterschlupf bei einem Imbißstand zu nehmen und verjubelten die letzen paar Kronen. |
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Der Radweg Nr. 8 brachte uns allmählich wieder zurück nach Deutschland. Viel zu entdecken gab’s leider nicht mehr. Ein kurzer Abstecher noch in den Wald der Frøslev Plantage, danach quer durch Padborg und schon waren wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour in Flensburg angelangt. |
Der Donnergott wollte uns mutmaßlich einen würdigen Abschlußreigen vorführen, denn am letzten Morgen wollte es gar nicht mehr aufhören zu schütten, obwohl es ja schon fast die ganze Nacht in Strömen regnete. So richtig bekümmerte uns das aber nicht mehr, saßen wir doch alsbald in einem trockenen Zugabteil. |
| FAZIT: Abgesehen vom Wetter und den manchmal ganz schön überzogenen Preisen ist Dänemark, besonders mit dem Fahrrad, immer eine Reise wert. |
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